Fade Into You

25 04 2008

Hey,

hab lange nicht gepostet, schön dass ihr oder bessergesagt du noch herkommst (du weist wer gemeint ist, die einzige Leserin dieses Blogs).

Nun, ich habs geschafft meine erste schriftliche Prüfung hinter mich zu bringen. War lange nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Die Fragen waren nicht übermäßig kompliziert, die Vorbereitung auch nicht so stressig. Das einzige, was die Sache von einer normalen Schulaufgabe abgehoben hat, waren die pingeligen Bestimmungen: uns wurde eingeschärft, Turnschuhe mitzubringen – da man die Turnhalle, in der die Prüfung stattfand ja nur in Hallenschuhen betreten darf… und das von einem Schuldirektor, der schreit „you’re fucking brilliant,“ wenn man im Unterricht etwas richtiges sagt.

Soweit es den Teil meines Lebens angeht, der am Tageslicht stattfindet läuft also alles ganz gut. Etwas anderes sind die Nächte. Es hat schon immer eine eigenartige Beziehung zwischen mir und dem Schlaf bestanden. Ich glaube die erste erwähnenswerte Phase von Insomnie hatte ich zu beginn des Gymnasiums. Und jetzt hab ich wieder eine. Keine sehr schlimme, meine Hände zittern kaum und ich kann auch noch einigermaßen scharf sehen. Aber seit etwa einer Woche habe ich keine Nacht länger als vier oder fünf Stunden geschlafen. Trotzdem ist da kaum ein Gefühl von Müdigkeit. Ich fühle mich abends nicht müde, wenn ich trotzdem versuche zu schlafen, dann liege ich bis ein Uhr wach. Es ist nicht, dass ich besonders besorgt wäre, oder über irgendetwas nachgrüble… meine Augen bleiben einfach nicht zu. Ich liege wach und langweile mich nur. Und wenn ich einschlafe wache ich am nächsten Morgen um fünf auf. Einfach so. Ich hab ja keinen Unterricht mehr, das heißt ich könnte ausschlafen. Aber jetzt habe ich jeden Morgen massig Zeit, meiner kleinen Schwester Frühstück zu machen, wenn sie für die Schule aufsteht.

Andererseits hab ich so auch mehr Zeit um Bücher zu lesen, oder das Frühstücksfernsehen zu verfolgen (man denkt Frühstücksfernsehen ist totaler Schund, aber ich habe daraus in den letzten Tagen etwas über Einstein, Planck und Foucault gelernt… mist, warum bin ich eigentlich je in die Schule gegangen; jeden Morgen fernzusehen hätte gereicht).

Solange die Schlaflosigkeit auf diesem Niveau bleibt und sich nicht auf das Maß verschlimmert, das ich früher schon erlebt habe, als es vorkam, dass ich mich wie in Watte eingewickelt fühlte und ab und zu plötzlich meine Hände eingeschlafen sind… solange das nicht wieder passiert ist die Sache vielleicht gar nicht so schlimm.

Einen Großteil der vielen Stunden, die ich in letzter Zeit wach verbracht habe, verbrachte ich mit einem Song, entweder ich hörte ihn auf meinem mp3 Player oder er wiederholte sich in meinem Kopf; es ist Fade Into You, von Mazzy Star. Ich habe diese wunderbare Band durch „Unschuldig“, diese neue Fernsehserie entdeckt. Ich hab mir die CD gekauft und die ganze Musik ist irgendwie so traumartig und federleicht; die Stimme der Sängerin nimmt einen an der Hand und man schwebt in den Nachthimmel, man ist schwerelos und verliert sich einfach in der unglaublichen Weite der Musik… so etwa fühlt es sich an. Nein, ich bin nicht auf LSD.

Im Internet steht, dass diese Art von Musik einer eigenen Stilrichtung namens „Dream Pop“ angehört. Ich brauche unbedingt mehr davon.

Das ist der Text von Fade Into You:

I want to hold a hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life
You go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of light into your darkness
Colours your eyes with what’s not there.

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then smiles cover your heart

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew

I think it’s strange you never knew

Und hier das geniale Video:





Depression

18 04 2008

Eine meiner Lieblingsautorinnen, oder ich sollte eher sagen eine meiner persönlichen Göttinnen, ist Elizabeth Wurtzel. Sie ist die Ikone schlechthin des verrückten Genies, der labilen Künstlerin, so much more literate than I could ever dream to be.

Ich behaupte gern, dass sie und ich im Leben auf ähnliche Schwierigkeiten gestoßen sind: Einsamkeit, Depression, Angst, Drogen, Mitglieder des anderen Geschlechts…

Aber eigentlich stimmt das nicht. Folgendes schreibt sie in Prozac Nation über Depression:

„…but depression is not a sudden disaster. It’s more like a cancer. At first its tumorous mass is not even noticeable to the careful eye, and then one day -wham!- there is a huge, deadly seven-pound lump lodged in your brain or your stomach or your shoulder blade, and this thing that your own body has produced is actually trying to kill you.“

Dass wir ähnliche Probleme haben stimmt deswegen nicht, weil es sich für mich immer ganz anders angefühlt hat. Vielleicht liegt es daran, dass das, was wir Borderliner erleben, ja gar keine Depressionen sind, sondern nur

„…intense episodic dysphoria, irritability, or anxiety usually lasting a few hours and only rarely more than a few days.“

Also sagen wir nicht Depression sondern Dysphorie. Es fühlt sich nicht an, wie ein schwarzer Schleier, der sich langsam auf einen selbst und die Welt herabsenkt bis man sich an nichts mehr erfreuen kann. Es ist mehr ein tonnenschwerer Felsbrocken, der auf einen herabstürzt. Es mag sein, dass es nur eine begrenzte Zeit anhält, wenn ich mich schlecht fühle, aber es bereitet mir körperliche Schmerzen; es ist als würde alles andere nicht existieren, hätte nie existiert, wird nie wieder existieren; nur noch dieses Gefühl – unendlich tief, alles erstickend, unbegreiflich.

Es kommt, reißt einem das Herz raus und verschwindet wieder. Dagegen hilft einfach nichts - so plötzlich und überwältigend, dass es sich jeder näheren Beobachtung, die vielleicht zu einer Art Verständnis führen würde, entzieht – so gewaltig, dass man alles tun würde, damit es aufhört. Und dann benimmt man sich, wie alle es von einem erwarten: wie ein Geisteskranker.





Crying at the discotheque

13 04 2008

Discotheken sind eigenartige Orte. Geschaffen einzig und allein zum dem Zweck Kulissen für soziale Interaktion zu bieten, können sie doch die einsamsten Orte sein, die man sich vorstellen kann. Zu beginn schlagen einem die laute Musik und die hellen Lichter wie Flutwellen entgegen, in denen man sich zusammen mit den Menschenmassen treiben lässt. Doch irgendwann, wenn man sein übliches Programm durchgezogen hat, wenn man bemerkt dass das hübsche Mädchen auf das man grade zugehen wollte mit ihrem Freund da ist, wenn man sich nach einer Runde tanzen eine Weile hinsetzt – dann bemerkt man, dass man es nicht geschafft hat seine Probleme an der Tür abzugeben. Man wird vorwärts getrieben von einer schlaflosen Energie, und wo immer man hingeht blickt man in lehre Gesichter und teilnahmslose Augen. Dann ist das audiovisuelle Feuerwerk zu einer unsichtbaren Barriere geworden, als wäre jeder isoliert in seiner eigenen, schalldichten Kabine. Mann kann nicht wirklich miteinander Reden, man kann sich nicht ansehen, alles geht im Bassgewitter unter. Und dann ist man allein, allein in einem Raum voller Menschen. 





Therapie

8 04 2008

Gestern hab ich meine Therapeutin gesehen. Wir haben ganz nette Gespräche, wirklich. Oft geht es darum, wie sie von ihrem Vermieter drangsaliert wird. Die Praxis ist in einem wahnsinnig stickigen Hochhaus und seit kurzem, viel früher als der Vermieter behauptet hat, wird die Fassade renoviert. Das bedeutet alle Fenster werden abgedichtet und mit Planen verhangen.  Das würde heißen Therapie im dunkeln mit Oropax wegen dem Baulärm… dann könnte ich die Zeit dazu nutzen etwas von dem Schlaf nachzuholen, den ich Nachts nicht bekomme.

Nach langem und bangem Hin und Her hat sie nun aber doch Ausweichräumlichkeiten gefunden, in einem großen aber dunklen Raum mit Blick auf den Innenhof in einem schöneren Teil der Stadt. Der große Raum ist leer, bis auf zwei Stühle, einen Tisch und eine Lampe in der einen Ecke.

Anscheinend hat sie erfahren, dass ich mich auf anraten meiner Psychiaterin um die Aufnahme in eine psychosomatische Klinik beworben habe, für demnächst, nach meinem Abi. Irgendetwas daran schien sie verwirrt zu haben und sie begann mich zu ermahnen, dass ich nicht aus Versehen in eine Klinik für Leute mit chronischen Schmerzen gehe sollte. Vielleicht hat sie mir und meiner Psychiaterin nicht zu getraut, dass wir die richtige wählen, keine Ahnung.

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen ihr in dieser Sitzung beizubringen, dass es mit uns nicht läuft und dass ich mich nach jemand anderem umsehen möchte, solange wir noch genug Stunden haben, die übertragen werden können. Aber der Moment war wohl verpasst. Sie referierte weiter über die angeblichen Gefahren für die Augen bei EMDR und noch über einige weitere Dinge nach denen ich nicht gefragt hatte. Oft kamen mir ihre Argumente fadenscheinig und unqualifiziert vor. Währenddessen saß ich in Gedanken am Fenster und rauchte.   

Vor kurzem hat mir jemand gesagt, ich sei arrogant. Aber ist es arrogant zu behaupten dass diese Therapie Zeitverschwendung ist?





Medikamente

5 04 2008

Wahrscheinlich kann ich mit dem Inhalt meiner Nachttischschublade bald eine Apotheke aufmachen. Sie quillt nämlich über mit Resten von Pillen die ich in der Vergangenheit genommen habe oder zur Zeit nehme. Es folgt ein Auszug:

Methylphenidat – Auch bekannt unter dem Namen Ritalin. Einen grossteil meiner Jugend aufgrund eines Verdachts auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung genommen. Eines Tages geriet ich mit meinem damaligen Psychiater aneinander und er sagte dann so etwas wie „Ich kann sie nicht länger behandeln. Im übrigen bin ich mir auch nicht mehr sicher ob sie überhaupt ADS haben. Rufen sie nie wieder an.“ Da hab ich es abgesetzt.

Lorazepam – Handelsnahme: Tavor. Das Erste Medikament, das mir meine mittlerweile dritte Psychiaterin verschrieb. In irgendeinem Forum las ich einmal den Ausspruch „Lorazepam is quite the shit.“ Lange Zeit dachte ich das auch, ich meine auf Knopfdruck angstfrei zu sein – wer wünscht sich das nicht? In einem Urlaub mit Freunden war ich einmal in einem regelrechten Lorazepam-Delirium. Aber irgendwann merkte ich, wie viel eigentlich an einem vorbeifliegt, wie viel man eigentlich verpasst, wenn man auf Drogen ist, die zu Gedankenverlangsamung und Affektverflachung führen. Depressiva sind nicht mein Ding. Heute nehme ich es nur noch spärlich, beispielsweise für Referate.

Citalopram – meiner Psychiaterin liebster SSRI und meine derzeitige Dauermedikation. Mittlerweile bin ich bei 45mg angekommen und bezüglich der Wirksamkeit immer noch nicht ganz sicher. Immerhin habe ich lange Zeit nicht an Selbstmordplänen gearbeitet, also sollte ich mich wohl nicht beklagen. Leider ist die hauptsächliche Nebenwirkung dieses Medikaments in meinem Fall Tagesmüdigkeit. Diese Tatsache führte zur Verschreibung von:

Reboxetin – ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Wirksamkeit gegen Tagesmüdigkeit unklar, habe es aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen nach kurzer Zeit abgesetzt. Dazu gehörten vor allem Schwindel und Schweißausbrüche. Ich fühlte mich damit wie ein Wärmekraftwerk, aber gleichzeitig waren meine Hände eiskalt, sodass ich am liebsten in T-Shirt und Handschuhen herumgelaufen wäre.

Trimipramin – Ein Antidepressivum der älteren Generation, das sehr sedierend ist. Habe ich nach Bedarf wegen Schlafstörungen genommen, aber ich fand, dass es zu sehr in den Tag hinein wirkte. Einmal knockten mich zwei Tabletten für zwei Tage praktisch aus.

Zopiclon – Schlafmittel, bekam ich von einem netten Arzt nach ein paar Tests in einer Klinik. Der Schlaf war super, aber die Packung ist mittlerweile leer und meine Psychiaterin ist mit solchen Medikamenten derart übervorsichtig, dass ich gar nicht mehr danach zu fragen gewagt habe. Außerdem ist das nichts für einen längeren Zeitraum.

Das heißt zu meinen instabilsten Zeiten nahm ich jeden Morgen drei Pillen. Geht es mir jetzt besser als vor alldem? Keine Ahnung. Aus meinen Posts wird das wahrscheinlich nicht klar, aber ich habe im Moment eine gute Zeit. Wer weiß, vielleicht würde das ohne Citalopram nicht ganz so aussehen und ich kann nur raten, was wäre wenn ich die anderen Medikamente zu gewissen Zeiten, in denen ich das Gefühl hatte ich brauchte sie, nicht gehabt hätte.

Aber vielleicht hat auch die Scientology oder die Masse der puristischen Psychotherapeuten Recht und Psychopharmaka sind Schwachsinn. Schon allein aus dem Grund, dass ich mich zu meiner Psychiaterin hingezogen fühle, will ich so etwas aber gar nicht hören.

 

 





Stop the messing around boy, better think of your future

1 04 2008

Oh Gott, gestern hat die Schule wieder begonnen.

Gerade Jetzt, wo ich eigentlich mindestens noch eine Woche gebraucht hätte, um mich von den Ferien zu erholen. Entweder ich bin einfach so ausgelaugt vom Nachtleben, oder es liegt daran, dass ich zur Zeit so wahnsinnig schlecht Schlafe, aber die letzten zwei Tage hat es mein Geist wirklich nicht mit mir aus dem Bett geschafft. Denken ist zur Zeit wirklich anstrengend. Aber ich habe mir vorgenommen ab jetzt wieder etwas kürzer zu treten. Immerhin habe ich bald meine Abiturprüfungen; das ist es doch worauf ich die letzten dreizehn Jahre meines Lebens hingearbeitet habe, oder nicht? Alle anderen behaupten sie wären schon so im Lern-Stress. Ich muss mich jetzt wirklich anstrengen.