Medikamente

5 04 2008

Wahrscheinlich kann ich mit dem Inhalt meiner Nachttischschublade bald eine Apotheke aufmachen. Sie quillt nämlich über mit Resten von Pillen die ich in der Vergangenheit genommen habe oder zur Zeit nehme. Es folgt ein Auszug:

Methylphenidat – Auch bekannt unter dem Namen Ritalin. Einen grossteil meiner Jugend aufgrund eines Verdachts auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung genommen. Eines Tages geriet ich mit meinem damaligen Psychiater aneinander und er sagte dann so etwas wie „Ich kann sie nicht länger behandeln. Im übrigen bin ich mir auch nicht mehr sicher ob sie überhaupt ADS haben. Rufen sie nie wieder an.“ Da hab ich es abgesetzt.

Lorazepam – Handelsnahme: Tavor. Das Erste Medikament, das mir meine mittlerweile dritte Psychiaterin verschrieb. In irgendeinem Forum las ich einmal den Ausspruch „Lorazepam is quite the shit.“ Lange Zeit dachte ich das auch, ich meine auf Knopfdruck angstfrei zu sein – wer wünscht sich das nicht? In einem Urlaub mit Freunden war ich einmal in einem regelrechten Lorazepam-Delirium. Aber irgendwann merkte ich, wie viel eigentlich an einem vorbeifliegt, wie viel man eigentlich verpasst, wenn man auf Drogen ist, die zu Gedankenverlangsamung und Affektverflachung führen. Depressiva sind nicht mein Ding. Heute nehme ich es nur noch spärlich, beispielsweise für Referate.

Citalopram – meiner Psychiaterin liebster SSRI und meine derzeitige Dauermedikation. Mittlerweile bin ich bei 45mg angekommen und bezüglich der Wirksamkeit immer noch nicht ganz sicher. Immerhin habe ich lange Zeit nicht an Selbstmordplänen gearbeitet, also sollte ich mich wohl nicht beklagen. Leider ist die hauptsächliche Nebenwirkung dieses Medikaments in meinem Fall Tagesmüdigkeit. Diese Tatsache führte zur Verschreibung von:

Reboxetin – ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Wirksamkeit gegen Tagesmüdigkeit unklar, habe es aufgrund unangenehmer Nebenwirkungen nach kurzer Zeit abgesetzt. Dazu gehörten vor allem Schwindel und Schweißausbrüche. Ich fühlte mich damit wie ein Wärmekraftwerk, aber gleichzeitig waren meine Hände eiskalt, sodass ich am liebsten in T-Shirt und Handschuhen herumgelaufen wäre.

Trimipramin – Ein Antidepressivum der älteren Generation, das sehr sedierend ist. Habe ich nach Bedarf wegen Schlafstörungen genommen, aber ich fand, dass es zu sehr in den Tag hinein wirkte. Einmal knockten mich zwei Tabletten für zwei Tage praktisch aus.

Zopiclon – Schlafmittel, bekam ich von einem netten Arzt nach ein paar Tests in einer Klinik. Der Schlaf war super, aber die Packung ist mittlerweile leer und meine Psychiaterin ist mit solchen Medikamenten derart übervorsichtig, dass ich gar nicht mehr danach zu fragen gewagt habe. Außerdem ist das nichts für einen längeren Zeitraum.

Das heißt zu meinen instabilsten Zeiten nahm ich jeden Morgen drei Pillen. Geht es mir jetzt besser als vor alldem? Keine Ahnung. Aus meinen Posts wird das wahrscheinlich nicht klar, aber ich habe im Moment eine gute Zeit. Wer weiß, vielleicht würde das ohne Citalopram nicht ganz so aussehen und ich kann nur raten, was wäre wenn ich die anderen Medikamente zu gewissen Zeiten, in denen ich das Gefühl hatte ich brauchte sie, nicht gehabt hätte.

Aber vielleicht hat auch die Scientology oder die Masse der puristischen Psychotherapeuten Recht und Psychopharmaka sind Schwachsinn. Schon allein aus dem Grund, dass ich mich zu meiner Psychiaterin hingezogen fühle, will ich so etwas aber gar nicht hören.

 

 


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5 Antworten

12 07 2008
Psychopharmakon

Psychopharmaka, das leidige Thema. Manche brauchen sie, manche wollen, manche verteufeln sie. Ich für mich selbst weiß, dass ich sie (einige von ihnen zumindest) brauche. Trotzdem, weniger ist besser. Und eine Apotheke könnte ich auch schon aufmachen. :-/

12 07 2008
borderpatrol

Ich hab auf deinem Blog vorbeigeschaut. Mit dem, was du dir einwerfen musstest und musst kann ich ja lange nicht mithalten. Hast du Aussicht darauf, irgendwann mal wieder ohne Medis klarzukommen?

12 07 2008
psychopharmakon

Im Moment geht es mir tatsächlich ein wenig besser, so dass ich ja auch wie beschrieben, die Medikamte reduziere(n kann). Ich gebe die Hoffnung nie auf, bin erst 24 und man weiß ja nie, ob man über die Jahre doch wieder gesünder und stabiler wird.

12 07 2008
psychopharmakon

Und ich habe mich gut gehalten! Ich bin berufstätig (ausgebildet, Kfm.), lebe alleine, wiege bei 1,70 66kg. Geht also alles noch. Medikamente werden halt auch veträglicher und ich bin ein Kämpfer. Ich kämpfe, bis ich medikamentenfrei bin!

13 07 2008
borderpatrol

Gute Einstellung.

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