Therapie

8 04 2008

Gestern hab ich meine Therapeutin gesehen. Wir haben ganz nette Gespräche, wirklich. Oft geht es darum, wie sie von ihrem Vermieter drangsaliert wird. Die Praxis ist in einem wahnsinnig stickigen Hochhaus und seit kurzem, viel früher als der Vermieter behauptet hat, wird die Fassade renoviert. Das bedeutet alle Fenster werden abgedichtet und mit Planen verhangen.  Das würde heißen Therapie im dunkeln mit Oropax wegen dem Baulärm… dann könnte ich die Zeit dazu nutzen etwas von dem Schlaf nachzuholen, den ich Nachts nicht bekomme.

Nach langem und bangem Hin und Her hat sie nun aber doch Ausweichräumlichkeiten gefunden, in einem großen aber dunklen Raum mit Blick auf den Innenhof in einem schöneren Teil der Stadt. Der große Raum ist leer, bis auf zwei Stühle, einen Tisch und eine Lampe in der einen Ecke.

Anscheinend hat sie erfahren, dass ich mich auf anraten meiner Psychiaterin um die Aufnahme in eine psychosomatische Klinik beworben habe, für demnächst, nach meinem Abi. Irgendetwas daran schien sie verwirrt zu haben und sie begann mich zu ermahnen, dass ich nicht aus Versehen in eine Klinik für Leute mit chronischen Schmerzen gehe sollte. Vielleicht hat sie mir und meiner Psychiaterin nicht zu getraut, dass wir die richtige wählen, keine Ahnung.

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen ihr in dieser Sitzung beizubringen, dass es mit uns nicht läuft und dass ich mich nach jemand anderem umsehen möchte, solange wir noch genug Stunden haben, die übertragen werden können. Aber der Moment war wohl verpasst. Sie referierte weiter über die angeblichen Gefahren für die Augen bei EMDR und noch über einige weitere Dinge nach denen ich nicht gefragt hatte. Oft kamen mir ihre Argumente fadenscheinig und unqualifiziert vor. Währenddessen saß ich in Gedanken am Fenster und rauchte.   

Vor kurzem hat mir jemand gesagt, ich sei arrogant. Aber ist es arrogant zu behaupten dass diese Therapie Zeitverschwendung ist?