Manic Street Preacher

14 06 2008

Erstmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lange auf Tauchstation gewesen bin. Ich könnte das jetzt meiner Krankheit in die Schuhe schieben und sagen meine Labilität oder mein instabiler Lebenswandel hätten mich vom Schreiben abgehalten – vielleicht etwas, aber vor allem war es Faulheit. Sorry folks.

Das Komische daran ist, dass ich ansonsten überhaupt nicht faul gewesen bin. Vielmehr bin ich in den letzten Wochen auf einer Welle geradezu frenetischer Energie geritten. Begonnen hat es etwa kurz vor meinem Abi. Zur der Zeit kam es mir sehr gelegen, dass ich jeden Tag ohne einen Wecker zu stellen gegen Fünf Uhr aufgewacht bin und dabei so fit war, dass ich den größten Teil meines täglichen Lernpensums vor dem Erwachen der familiären Hektik erledigen konnte. Auch eine Nacht ganz ohne Schlaf bremste mich kaum, nicht einmal zwei hintereinander. Auch wenn das eher durchtanzte als durchlernte Nächte waren. Tagsüber war ich beim Lernen dennoch so konzentriert wie der Kaffe den man normalerweise bräuchte um bei einem Durchschnitt von fünf Stunden Schlaf pro Nacht überhaupt noch etwas auf die Reihe zu kriegen. Ich hatte wirklich ein paar sehr produktive Wochen.

Mittlerweile ist von all der Energie fast nur noch ein Echo übrig, nur noch leere Konzentration ohne Kreativität. Der Stift fliegt nicht mehr über das Papier, stattdessen starre ich Ewigkeiten seine bebende Spitze an und lausche dem Gedankenkreisen in meinem Kopf. Ich denke diese „Phase“, was immer es auch war, geht zu Ende.

Die Frage die ins Auge springt ist doch „Sach ma, biste jetzt Borderline oder Bipolar?“

Zuerst will ich sagen, dass dieses Phänomen bei mir zum ersten mal aufgetreten ist, und dass Borderline als meine Diagnose weiterhin feststeht. Ein Verdacht auf bipolare Störung hat nie bestanden. Ich habe mich lange mit der bipolaren Störung beschäftigt, ohne zu vermuten, dass ich darunter leide. Ich weiß, dass Borderline und bipolare Störung selten oder nie zusammen auftreten. Wenn ich mir andererseits die DSM Diagnosekriterien für eine hypomanische Episode durchlese würde ich sagen ich habe die drei erforderlichen in den letzten Wochen erfüllt.

Als Auslöser käme meine Behandlung mit SSRIs in Frage, von denen bekannt ist, dass sie manische Episoden auslösen können. Allerdings nehme ich das Medikament schon seit langem, warum also sollte es jetzt passieren und nicht schon zu Beginn der Einnahme? Vor einiger Zeit hatte ich eine Dosissteigerung, vielleicht ist das eine Erklärung.

Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur eine gute Phase. Möglicherweise bin ich aus einer Verkettung glücklicher Umstande heraus insgesamt gesehen einfach etwas motivierter und etwas stabiler. Ich will nicht sagen dass es in dieser Zeit nicht auch schlechte Tage gegeben hat.

Wer weiß, vielleicht durfte ich in den letzten Wochen erleben wie es sich anfühlt „normal“ zu sein, auch wenn das sicher für jeden etwas anderes ist; oder einfach wie es sich anfühlt ein bisschen mehr so zu sein wie ich gern wäre. Aber so bin ich jetzt jedenfalls nicht mehr, denn ich fange ja schon wieder an krankhafte Ursachen hinter all dem zu vermuten. Ich bin es einfach so sehr gewohnt „krank“ zu sein, dass alles Positive verdächtig ist.