Insignificance

15 07 2008

Ich habe das Gefühl, das hier wird ein mehr oder weniger selbstmitleidiger Wortschwall. Schon wieder. Aber wenn ich nicht darüber schreibe, dann sind die Gedanken, die ich mir mache ja endgültig sinnlos:

Aus meinem letzten Artikel konnte man vielleicht schließen, dass es mir in letzter Zeit nicht so gut gegangen ist. Seit die Schule vorbei ist, scheint einfach alle Routine auseinanderzufallen. Versteht mich nicht falsch, ich hasse Routine genauso, wie jeder andere auch. Mein Resort ist immer das außergewöhnliche, nicht alltägliche gewesen. Aber vielleicht brauche ich einen Klotz am Bein, um nicht abzuheben. Und eines der hauptsächlichen Dinge, warum ich nicht schon längst alles hingeschmissen habe und abgehauen bin, ist immer die Schule gewesen. In den höheren Klassen habe ich begonnen eine extreme Furcht vor dem Scheitern zu entwickeln. Vor Schulaufgaben war ich immer zittrig und anorektisch. Und deshalb habe ich mich angestrengt und meine Lebensweise angepasst.

Seit zehn Jahren hab ich die Tage gezählt, bis ich endlich „Schooooooooooool‘s out forever“ von Alice Cooper aufdrehen kann, und ich bin froh, dass es endlich soweit ist. Ich habe die Schule gehasst und will auch nie wieder dahin zurück, so ist es nicht.

Aber seit ich nicht mehr in die Schule muss, hat sich gezeigt, wie belanglos alles gewesen ist, was in und um diese Betonklotz passiert ist. Leute, die sich in der achten Klasse geschworen haben, für immer Freunde zu sein, werden sich jetzt nie wieder sehen. Pärchen, die glaubten, sie würden nach der Schule zusammenziehen werden sich aus den Augen verlieren, beste Freunde werden nie wieder miteinander reden. Die, die man gehasst hat, wird man vergessen, und die, die man geliebt hat, werden verschwinden.

Auf unserer Abschlussfeier in der heruntergekommenen Disko hatte ich mir vorgenommen, mit allen Anwesenden wenigstens einmal zu reden. Darunter waren Leute, mit denen ich bis dahin kein Wort gewechselt hatte, Leute, die ich irgendwann einmal als Freunde bezeichnet hatte, Frauen, die ich geliebt hatte, Leute, die ich verabscheute. Aber sie alle hatten eins gemein: Egal wie vertraut, oder wie fremd wir uns unterhielten, da war immer dieses Gefühl das sagte „wir werden uns ohnehin gegenseitig vergessen, also was tust du hier?“. Es war einfach so sinnlos. Es ist, als wären die letzten zehn Jahre, meine Ängste, Hoffnungen, meine Mühe, alles was den sozialen Bereich betrifft umsonst gewesen. Der Liebeskummer, die Eifersucht, die Freude, die Wut, das Verlangen, die Angst – ich dachte immer, es seien Emotionen wie diese, die das Leben ausmachen. Aber jetzt fühle ich, dass sie, zusammen mit den Menschen die sie ausgelöst haben, in Vergessenheit geraten werden. Und das heißt, wenn ich mein Leben so weiter leben werde, wie bisher, dass ich dann niemals etwas finden werde, dessen es sich zu erinnern lohnt.