Oft fragen mich weißbekittelte Intelligenzbestien in den verschiedenen Arzt- und Therapeutenpraxen, die ich frequentiere, wie es mir denn ginge. Dabei wundere ich mich immer, ob die Frage jetzt rhetorisch gemeint ist, so wie wenn einen Finanzberater oder Freunde fragen wie es einem geht und als Antwort ein einfaches “Gut” erwarten.
Um meinem Gegenüber nicht das Gefühl zu geben, ich sei katatonisch oder debil, weil ich nicht antworte, und mal wieder reif für einen Aufenthalt in der Anstalt, sage ich dann meistens “Gut”. Wenn mir danach ist, lege ich manchmal noch etwas mehr Nachdruck hinein, indem ich meiner Psychiaterin um den Hals falle und ihr sage, wie schön es ist sie zu sehen. Wenn dann draußen noch nicht die Männer mit den Zwangsjacken vorfahren, dann ist es wohl ein guter Tag.
Morgen sehe ich meine Psychiaterin, und mal wieder habe ich mir vorgenommen, nicht “Gut” zu sagen. Denn leider sind die letzten paar Tage ein kleines bisschen schief gegangen. Das Beste war eigentlich, dass ich es geschafft habe, einen meiner Mitbewohner nach nur wenigen Wochen dazu zu bringen, etwa folgendes zu sagen: “Ich bin wahnsinnig sauer auf dich! Ich verstehe nicht, wie man dermaßen selbstverliebt und weinerlich sein kann?! Die Leute um dich herum haben ihre eigenen Probleme und können sich nicht ständig um dich kümmern!!”
Verdammt. Dabei wollte ich doch dafür sorgen, dass das zusammenleben in meinem neuen Zuhause harmonischer wird, als in meinem alten. Andererseits glaube ich, dass diese WG sowieso nicht das richtige für mich ist. Meine Mitbewohner sind so zurückgezogen und einsilbig, da hätte ich gleich in eine Ein-Zimmer-Wohnung ziehen können. Ich hab mich schon lange nicht mehr so einsam gefühlt. Jetzt will unser Vermieter mich auch noch zwingen, einer Befristung meines Mietvertrags auf ein Jahr verbindlich zuzustimmen. In einem Jahr könnte ich endgültig den Verstand verlieren. Andernfalls wird er mich jedoch rauswerfen. Und dann? Ich will auf keinen Fall wieder zuhause einziehen. Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt machen soll. Ich will unbedingt aus dieser Wohnung raus, aber wohin? Ich war schon nahe am Nervenzusammenbruch, als ich diese Wohnung gefunden habe. Nur jetzt, wo das Semester grade begonnen hat, ist die Angebotslage noch schlechter. Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt machen soll.

Zum Thema Arztbesuche: Irgendwie müssen die Ärzte ja das Gespräch beginnen. Und mit dieser offenen Frage lässt der Arzt dem Patienten den Raum, um über die Dinge zu sprechen, die ihm wichtig sind. Deshalb finde ich die Frage gar nicht so schlimm. Man muss eben nur auch richtig darauf antworten, also eben sagen, wie es einem geht.
Zum Thema Wohnung: So wie ich es verstanden habe, hast du ja noch mindestens ein Jahr, also zwei Semester. Vielleicht hast Du ja in den nächsten Semesterferien ein wenig Zeit, um eine neue Wohnung zu suchen.
Das Problem ist ja, dass mein Vermieter versucht mich ein Jahr hier festzunageln. Und das will ich eben nicht, weil ich nicht weiß, ob ich es so lange mit den Leuten hier aushalte, wenn es jetzt schon dauernd Probleme gibt. Deswegen bräuchte ich eben jetzt gleich eine Wohnung.
hast du denn inzwischen eine neue bleibe finden können?