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27 11 2008

Wow, mir ist grade aufgefallen, dass ich erledigt wäre, wenn ich jetzt einen Herzinfarkt hätte. Niemand würde mich finden. Seit drei Tagen habe ich kein Wort mehr mit meinen Mitbewohnern gesprochen, abgesehen von „Hallo“ und „Tschüss“, nur um zu sehen, was sie tun, ob es ihnen überhaut auffällt. Ist es nicht. Sie haben einfach zurückgeschwiegen. Was bedeute ich meinen Mitbewohnern? Zwei Worte? Denken sie grade, „endlich hat der Typ aufgehört so viel zu labern“? Was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Ich werde Wahnsinnig. Nein ehrlich, ich verliere hier den Verstand. Ich hab sie nicht mehr alle, die Tassen sind raus aus dem Schrank und zerbrochen.

AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH! Was würde jetzt meine ehemalige Therapeutin sagen? „Sie sollten versuchen, ihre Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen.“

Mal überlegen:

Kopf sagt: ………………………………………………… (Kopf sagt nichts, weil er mit einer Zwangsjacke auf einem Bett fixiert ist und gerade eine Haloperidol Infusion bekommt.)

Realität sagt: „Hmmm, lass und die Fakten überprüfen….du schläfst nicht mehr als vier Stunden pro Nacht, du bist total überspannt, deine Hände zittern, du kannst dich nicht konzentrieren, du würdest dich am liebsten selbst KO schlagen um mal wieder etwas Ruhe zu bekommen, etc.“

Verdammt, verdammt, verdammt… ich weiß wirklich nicht was los ist. Aber seit einer Woche kriege ich einfach nichts mehr hin. Ich habe Angst und ich kann nicht sagen wovor, am liebsten würde ich nur im Bett liegen und mich keinen Millimeter bewegen, die Augen auf einen Punkt an der Decke fixiert, den ganzen Tag. Ich würde so so gerne meine Psychiaterin sehen. Aber sie hat erst in elf Tagen Zeit für mich. Andererseits wenn ich sie sehe, dann möchte ich eigentlich nur dasitzen, und ihr in die Augen sehen, weil ich weiß, dass die Worte aus ihrem hübschen Mund nichts ändern werden.

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Wenn jetzt überhaupt noch jemand da ist, dann habe ich eine Frage: Es lesen doch bestimmt ein,zwei betroffene diesen Blog (zumindest wünsche ich mir das):

Wie habt ihr es geschafft weiterzumachen, als euch die brutale Wahrheit klar, nicht nur bekannt sondern wirklich klar, geworden ist, dass es für den Rest eures Lebens so weitergehen wird? Dass Persönlichkeitsstörungen chronische Zustände sind?

(Ok, es heißt die Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung erfahren ab dem 40 Lebensjahr meist von selbst eine Besserung, aber soweit muss man erst mal kommen.)

Am Ende bin ich eigentlich nicht mehr, als eine Karikatur. So wie eine Karikatur eine Sammlung eigenartiger Merkmalen ist, so bin ich eine Sammlung eigenartiger Symptome…nicht mehr. (D.h. ich sehe mich wahrscheinlich so, wie Ärzte normalerweise ihre Mitmenschen). Vielleicht hat es mal eine Zeit gegeben, in der es noch korrekt gewesen wäre, mich selbst von meinen krankhaften Anteilen zu separieren. Aber mittlerweile sind wir ein und dasselbe. Ich habe so viele Sachen erlebt, von denen ich glaube, sie wären nie passiert, wenn ich der Mensch wäre, der ich sein will. Im Guten, wie im Schlechten.

Help.





No more longing

20 11 2008

Als ich vorgestern in der Uni saß, draußen auf einer Bank, in einer Hand die Kaffetasse und gleichzeitig die Zigarette zwischen den Fingern haltend und die andere Hand in der Tasche um meine Finger vor dem imminenten Gefrierbrand zu schützen, hervorgerufen von dem eisigen Wind, der mir den Rauch in die Augen blies und Poster von Studentenpartys von vor zwei Jahren über den Platz pustete -

Argh! Was für ein Satz…

Ich fang nochmal an:

Als ich vorgestern in der Uni bei eisigem Wind mit einem Kaffe zum Rauchen auf dem Platz saß, sah ich von weitem meinem neusten Schwarm nach, wie sie vorüberging. Da entstand die Frage in meinem Kopf: „Was ist eigentlich die Ursache all deinen Leids, deines Schmerzes, was ist es, das dieses Hamsterrad der Gefühle antreibt?“

Und da fiel es mir auf. Es ist nicht dieses Mädchen, noch ihre Vorgängerin, nicht meine Ex, die mich in dieser Hölle zurücklies, und auch nicht die Welt, die ach so Kalt und einsam ist. Nein.

Es ist die Sehnsucht. The longing.

Longing is a sea without a shore
Not of water, but much more insidious
When you go under, it infuses your lungs
Then it spits you out to carry its suffering
Into the world

Ich verzehre mich nach so vielen Dingen, nach Liebe, nach Tod und Wiedergeburt – wo hat es mich hingeführt? Mein Kopf liegt nicht auf dem Schoß der einen Frau, die mich hier rausholen wird. Nein, es hat mich in die geschlossenen Anstalt gebracht, an Orte, von denen ich mir wünsche ich hätte sie nie gesehen.

Und deshalb gibt es nur eine Sache, die ich ändern muss: Ich muss aufhören mit der Sehnsucht. Ich muss die Killers CD aus der Stereoanlage nehmen und aufhören, mich für Dinge umzubringen, die es vielleicht gar nicht gibt.

Und deshalb wird das ab jetzt mein Mantra:

No more longing. You have everything that you need.

Und es hat schon etwas bewirkt. Ich sitze jetzt nämlich gerade zuhause und bin nicht mit Leuten, die ich nicht wirklich mag einen Trinken gegangen, obwohl ich morgen gar keine Uni hätte, um mich dann morgen wieder selbst zu hassen.

Also rauchen wir eine Zigarette auf die Selbstzufriedenheit!

Wünscht mir Glück.





The father of all bombs

19 11 2008

Angenommen, man steht auf eine Frau. Zuerst denkt man sich sowas wie, wow, die ist wirklich hübsch. Man sieht sie nur kurz jeden Tag, vielleicht in der Uni. Dann redet man mit ihr, steht ein paar mal beim Rauchen nebeneinander und unterhält sich einfach. Bald ist es soweit, dass man glaubt, sie hätte eine spezielle Art einen anzulächeln. Dann sieht man ihr in die Augen und sucht darin nach irgendeinem Hinweis, einem winzigen Funkeln, das sagt „versuch doch mal noch einen Schritt näher zu kommen, wer weiß was passiert?“ Kurz darauf wird man im Ton immer koketter, lässt einfach so die ein oder andere Bemerkung fallen, flirtet auf die subtilste mögliche Art, um sich nicht zu weit vorzuwagen. Langsam aber sicher, besteht wohl wirklich kein Zweifel mehr daran, dass sie mitspielt, und dass sie ganz bestimmt keinen Freund hat. Wenig später beginnt man, sich vorzustellen wie es wäre, mit ihr auszugehen, sie vielleicht um ein Date zu bitten. Man denkt daran, wie großartig es werden könnte.

Genau dann, genau in diesem Moment als man noch dieser Vorstellung nachhängt, hört man sie zufällig im Gespräch mit jemand anderem sagen: „Ich hab meinem Freund versprochen…..“

Der Rest wurde von der Implosion meiner Träume übertönt. Eine thermobare Vakuumbombe ist nichts dagegen.

Ich war eine Weile weg, mir gings eine Weile nicht so gut… aber ich hab neue Medikamente! Wie es aussieht habe ich meine Psychiaterin lange genug bequatscht, dass ich wegen der Tagesmüdigkeit, die meine Alten hervorgerufen haben zuweilen kurze Blackouts in Vorlesungen habe, und so darf ich meine Gebete zukünftig an meinen neuen Erlöser, Venlafaxin, auch genannt Trevilor, richten.

Trevilor wird nicht mehr als „First Line Treatment“ angesehen, da es bei manchen Leuten ein derart starkes Entzugssyndrom hervorruft, dass sie nie wieder damit aufhören können. Aber worum sollte ich es auch absetzen wollen, ich meine, Persönlichkeitsstörungen sind schließlich chronische Zustände.

Was meine Wohnsituation angeht, ich sitze immer noch hier in dieser WG fest. Glücklicherweise konnte ich meinen Vermieter überzeugen, den Vertrag so zu ändern, dass ich ausziehen darf, wenn ich einen Nachmieter finde. Zu wissen, dass ich ausziehen kann, wenn ich will, bedeutet mir schon sehr viel. Leider habe ich zur Zeit auch immer noch nichts besseres im Auge.

Eigentlich wollte ich mehr schreiben. Ich habe auch vor, wieder mehr zu schreiben, aber bis dahin ist es wenigstens mal ein Lebenszeichen.

Gute Nacht.