Grade geht vor meinem Fenster die Sonne unter – und ich bin unglücklich. Mal wieder.
Ich wette ihr habt diese Art Psycho-Geschwätz vermisst, nicht wahr?
Ich habe einige wirklich gute Monate hinter mir. Ich hab Fortschritte gemacht. Da ist nur dieses leise, nagende Gefühl in letzter Zeit. So ein Gefühl, das man bekommt, wenn man abends allein in einem Café sitzt und die Menschen beobachtet – oder wenn man nach dem Duschen mit den Händen über alte Narben streicht.
Anders gesagt, ich habe den Verdacht, dass ich zu diesem Blog zurückgekehrt bin, weil ich seit einiger Zeit die unbestimmte Ahnung habe, dass es mit meiner geistigen Gesundheit langsam, ganz langsam, aber stetig wieder bergab geht. Es ist, als ob sich mein Blickwinkel nur um ein paar Millimeter verschoben hätte, und wenn ich dann Nachts am Fenster eine rauche und mein Blick über die Lichter der Stadt schweift, dann fühle ich da wieder diese Sehnsucht – nach irgendeinem Ort da draußen. Und ich beginne mich zu fragen, ob dieser Ort wohl existiert, wenn ich ihn nach 20 Jahren noch nicht gefunden habe. Vielleicht sollte ich erst mal überlegen, was diesen Ort überhaupt ausmacht, aber das kann ich nicht sagen. Es ist einfach der Ort, an dem ich eigentlich sein sollte, genau jetzt.
Hurra! Endlich Nachschub an deprimierenden Anekdoten aus meinem Leben! Perfekt für jede Party.
Aber es ist wahr, als es mir gut ging, hatte ich nicht das Bedürfnis zu schreiben. Es war einfach – gut. Da gab es nichts zu analysieren. Aber diese einsamen, betrüblichen Gedanken sind wie Treibsand. Man versinkt darin und kann nichts anderes tun als die eigene missliche Lage auseinanderzunehmen.
Eigentlich wollte ich mehr schreiben, aber ich würde jetzt wahnsinnig gerne eine menschliche Stimme hören. Am liebsten würde ich mich anziehen und rausgehen, irgendwohin. Aber ich weiß, dass das kein gutes Ende nimmt.
Deswegen werde ich mir jetzt das Telefon nehmen und fürs Erste jedem auf die Nerven gehen, den ich kenne. Am besten unterdrücke ich meine Nummer, sonst gehen die meisten um diese Zeit wahrscheinlich gar nicht erst ran. Bin ich nicht manipulativ? Tja, man muss eben alle Trümpfe ausspielen, die einem eine gestörte Persönlichkeitsorganisation bietet.
Ich wünsche mir inständig, dass heute nicht eine dieser Nächte wird. Ich hab doch Fortschritte gemacht – oder doch nicht?
