dropping vanities

29 06 2009

Dieses Studium laugt mich wirklich komplett aus. Ich arbeite seit Ewigkeiten an einem längeren Artikel, aber ich komme kaum voran, einfach weil ich keine Zeit habe… für Garnichts. Ich frage mich, wie manche meiner Kommilitonen es schaffen nebenbei noch ein ‘normales’ Hobby zu pflegen, sowas wie ‘Sport’ oder so… irgendetwas regelmäßiges.

Ich schaffe es ja kaum noch drei Nächte die Woche durch die Discos und Bars zu ziehen.

Dabei gibt es zur zeit so viel, was ich gern aufschreiben würde. Während ein paar meiner Blogger-Kolleginnen es geschafft haben, einen Klinikplatz zu bekommen, und dort hoffentlich ein bisschen verdiente Ruhe finden, hab ich es zumindest endlich hingekriegt, mich wieder in Therapie zu begeben. Die Betonung liegt auf wieder - was Psychotherapie angeht, hab ich ja schon so einige (schlechte) Erfahrung. Und in Bezug auf diesen erneuten Versuch hatte ich die Befürchtung er würde von Anfang an schief gehen, und ich würde ihn bald in diese Kette tragikomischer Patient-Therapeuten Begegnungen einreihen können, die ich quasi schon sammle. Immerhin ging es mir schon nach dem Vorgespräch derart schlecht, dass mir nicht danach war, je wieder dort aufzutauchen.

Aber ich habs getan. Letzte Woche war mein erster richtiger Termin. Und eigentlich kann ich es immer noch nicht ganz fassen. Ich hab vor kurzem gehört, man soll seine Therapeuten ganz zu beginn fragen, ob sie gerne mit Borderline-Persönlichkeiten arbeiten, und diesbezüglich Erfahrung haben. Sie hat die Frage nicht direkt beantwortet, aber irgendwie war da etwas.

Zum allerersten Mal fühlte ich im Sessel in einer dieser Praxen nicht den nervösen Blick einer durch mein Verhalten verunsicherten, aus Angst vor drohenden Überschreitungen der professionellen Distanz meinerseits in sich zurückgezogenen Therapeutin auf mir – es war einfach ganz anders als es früher immer war. In meinen bisherigen Therapien war es über kurz oder lang so, dass ich der war, der die Fragen stellte, und die Therapeutin redete.

Aber diesmal… ich glaube ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, nicht untherapierbar zu sein. Es war, als würde sie sich wirklich auf mich einlassen, und sie stellte sofort die richtigen Fragen. Es kam mir nicht vor wie Zeitverschwendung, sondern als ob das wirklich einen Sinn hätte.

Und ich hab geweint. Nicht sehr, es waren nur ein paar Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte, aber sie ist als Erste überhaupt zu Dingen vorgedrungen, die auch nur entfernt mit dem Problem zu tun haben, und ich hab Dinge erzählt bei denen ich wirklich etwas gefühlt habe. Sogar soviel, dass ich es zugelassen habe, dass mich eine Therapeutin weinen sieht. Und all das in der ersten Sitzung.

Ich will jetzt nicht übermäßig enthusiastisch klingen, aber ich habe so das Gefühl, diesmal könnte es tatsächlich anders laufen. Besser.

Es kann schließlich nur besser werden. Wenigstens darauf können wir immer hoffen.


Aktionen

Information

3 Antworten

1 07 2009
inbetweenme

Es ist schön zu lesen, dass du das Gefühl hast, dass es dieses Mal anders/besser werden könnte und das du es zugelassen hast, es noch mal zu versuchen. Weiß wie sinnlos es eigentlich ist – es sind ja nur Worte – irgendwelche – aber … ich mag dir gerne Kraft und Hoffnung schicken und … das im richtigen Moment die richtigen „Stimmen“ dominieren und dir helfen, zu zulassen. Auf dass es besser wird. Auf dass du ein bisschen Ruhe findest.

Weiß nicht, ob dich ein „irgendwann wird alles gut werden!“ aufmunter – ich glaube daran… irgendwann wird es gut werden. Sende dir ganz viel positive Energie!!

Liebe Grüße, I.

1 07 2009
borderpatrol

Du bist lieb. Hoffnung ist genau das, was ich jetzt brauche, immer her damit!

4 07 2009
Carmelita

Hey, das freut mich für Dich, daß Du Dich nochmal „getraut“ hast. Ich wünsche Dir, daß Du Deine Hoffnung NIE aufgibst – irgentwo ist immer ein Weg.
Ich kann nur von mir sagen, daß Reden echt viel hilft. Das mit den Tränen habe ich auch erst vor kurzem geschafft und bin mächtig stolz auf mich endlich mal Gefühle zeigen zu können.
Ganz viel Kraft und Daumendrücken von mir
eine „neue“ BPS – Diagnostizierte :-)

Kommentieren