Looks like rain

12 07 2009

Über die letzten Tage hab ich mehrmals versucht einen Eintrag zu verfassen, der alles enthält, was mir im Kopf rumgeht… aber ich habs nicht geschafft. Es sind nur weitere seitenlange Leichen für den Entwurfsordner rausgekommen. Ich bin nicht gut drin Dinge aufzuschreiben, die länger zurückliegen. Wenn das Gefühl der Situation verflogen ist, macht alles keinen Sinn mehr.

Aber ich versuchs jetzt nochmal – einfach ein Abriss der letzten Wochen, dann schaff ich es vielleicht bevor meine Konzentrationsspanne wieder überschritten ist.

Ok, worauf es hinausläuft ist, dass ich einfach nicht auf mich aufpassen kann. Ich esse nicht, vor allem aus Zeitmangel… ich vergesse es, die Mensa schließt um 14 Uhr, ich will noch dies und das erledigen… dann ist eine Woche vergangen und alles was ich runter gekriegt hab, warn ein paar Schüsseln Cornflakes am Morgen. Ich lebe also die meiste Zeit von Kaffee, Zigaretten und Pillen.

Ich schlafe nicht. Vor allem aus Zeitmangel. Da ist noch dieses Übungslatt, am Freitag soll ich ne Klausur über ne Vorlesung schreiben in der ich das ganze Semester vielleicht drei mal war. Dann ist es vier Uhr und ich habe keine Lust mehr ins Bett zu gehen, nur um dann zu verschlafen.

Die Abende hier sind die Hölle. Ich ertrage die Einsamkeit nicht, die Musik die hier ununterbrochen läuft, um die Stille zu vertreiben kratzt mich noch mehr auf – oft geh ich noch raus, wandere durch die Straßen, nur um zu sehen, dass diese beschissene Stadt leergefegt ist, als wär ich der einzige Mensch auf der Welt. Ich hab die letzten zwei Wochen kaum eine Nacht überstanden ohne die eine oder andere Droge zu konsumieren, entweder die, die man in der Apotheke kriegt, oder die, die man anderswo besorgt.

Ich schlucke weit mehr Beruhigungsmittel als ich sollte. Einfach damit das Zittern in meinen Händen aufhört und der Vortex der Gedanken in meinem Kopf still ist.

Ich schneide mich wieder. Es fühlt sich so gut an, wie eh und je. Da ist noch so viel Platz auf meinen Oberschenkeln. Warum sollte ich den nicht nutzen? Whatever gets you through the day, right?

Oft starre ich mich Spiegel an und suche nach einer Antwort in diesen Augen, einen Hinweis darauf, wann und warum genau ich vom Weg abgekommen bin, nach dem es mir monatelang so gut ging. Aber dieses hübsche Gesicht starrt nur fragend zurück. Warum ruinierst du dein Leben? Warum jetzt?

Ich bin jetzt Anfang zwanzig. Es heißt, dass viele, die so sind wie ich, in dieser Zeit ein morbides Crescendo erleben, und auf eine kosmische Katastrophe zusteuern, die die Grundfeste ihrer Realität erschüttert… und genau so fühlt es sich an. Wie lang kann ich noch so weitermachen? Es heißt, dass es besser wird, wenn man bis 40 überlebt.

Also trinken wir auf die nächsten zwanzig Jahre. Und hoffen weiterhin, dass es doch nur ein Alptraum ist, aus dem ich noch aufwache.

Mein Psychiater glaubt daran offenbar nicht mehr. Er hat die Abteilung gewechselt. Ich bin nicht so eingebildet zu glauben, dass er das getan hat, um mich loszuwerden, aber das ist sicher ein angenehmer Nebeneffekt für ihn. Jetzt hab ich in zwei Monaten einen Termin bei einer neuen. Halleluja.

Ich hasse diesen Eintrag, aber ich muss das alles einfach irgendwie ausdrücken. Und wenn ich den jetzt wieder nicht veröffentliche wird es gar nichts mehr.


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5 Antworten

13 07 2009
drahtseiltanz

Hallo borderpatrol,
ich muss mich bei dir entschuldigen, weil ich zwar immer mitlese, aber ewig nicht kommentiert habe. Jetzt mag ich das aber mal nachholen.
Zuerst mal: Ich finde nicht, dass du diesen Eintrag hier hassen musst. Er ist ehrlich und das allein ist doch schon bewundernswert.
Was den Rest angeht.. ich kenne das alles, die Erleichterung des Schneidens, die Verzweiflung, das Gefuehl, dass alles nur im Chaos versinkt.
Ich weiß nicht, was ich dir dazu sagen soll.. ich wuerd dir gern sagen dass es besser wird und: gib nicht auf.
Aber vielleicht reichts auch einfach schon, dir wenigstens eine virtuelle Umarmung zu schicken. Du bist nicht allein!

13 07 2009
borderpatrol

Danke…. zu wissen, dass jemand da ist, der versteht, hilft mir schon. Ich meine, ich weiß es ja… dass ihr da draußen seid und wisst, wovon ich rede, aber es ist immer schön, wenn einen nochmal jemand dran erinnert.

Und danke für die Umarmung… Manchmal hab ich so Fantasien, wie es wohl wäre, wenn du und ich und inbetweenme und Carmen und James (der ja leider seit einiger Zeit aus der Blogosphere verschwunden ist) und Sheaneen und PA in irgendner Art… Bohème oder Künstlerkolonie(?) oder sowas zusammenleben könnten. Bescheuert, ich weiß… wir würden uns wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit gegenseitig an die Gurgel gehen ;) . Das Alleinsein trägt verzweifelte Blüten in meiner Phantasie.

Aber ich fühl mich geschmeichelt, dass du sagst, du liest immer mit :) .

Anyway, danke fürs da sein.

22 07 2009
drahtseiltanz

Ja, vermutlich wuerden wir uns wirklich gegenseitig an die Gurgel gehen *lach*
Aber es waere zumindest immer jemand da, der einen verstehen kann.. Ich stell mir sowas auch gern vor.
Wie gehts dir denn jetzt gerade?
Ich denk an dich und schick dir ein rieeesengroßes Kraftpaket.
*drueck*

PS: Ich weiß nicht ob du icq hast? Aber falls du mal reden magst, meine nr: 294012309 :)

18 07 2009
Carmelita

Hallo mon ami,
ich bin wieder daheim!! Das fühlt sich so verdammt gut an…
Das mit der Künstergalerie finde ich auch´ne tolle Phantasie. Aber wie Du schon sagst würden wir uns wahrscheinlich in kürzester Zeit zoffen.
Auch ich lese immer mit und drücke Dich hier nochmal gaaaanz dolle.
Ich freue mich schon auf unsere nächste Session – vielleicht so wie heute?
Drücke Dich
Carmelita

P.S.: Hilft Dir denn das Reden und schreiben hier? Mir sehr.

11 08 2009
thewolve

Hi.

Hört sich nicht gut an.
Aber ich verfolg schon einige Zeit deinen blog mit, und weiß, das du dich da wieder selbst rausholen wirst. Bist eine Kämpfernatur. Und wenn du den ganzen Klausurmist hinter dir hast, schau das du mal raus kommst. Natur. Alm. Oder Meer. Wirkt oft Wunder.

Mir gehts auch nicht gut.
Komisch eigentlich.
Wo doch der Sommer alles besser machen sollte.
Ist wohl auch nicht mehr das, was er mal war.

In dieser Art Verbundenheit,
alles Gute!

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