Wenn man sich ansieht, was in letzter Zeit aus diesem Blog geworden ist, mag man es vielleicht nicht glauben – aber ich kann Selbstmitleid nicht leiden. Zumindest nicht, wenn ich mich selbst bemitleide. Trotzdem bin ich so verdammt gut darin. Die letzten Einträge triefen schließlich davon. Wenn ich sie lese, komme ich mir Dumm und Schwach vor.
Ehrlich gesagt schwebte mein Mauszeiger auch schon mehr als einmal über der „Blog dauerhaft löschen“ Taste. Manchmal will ich einfach alles was je über mich oder von mir geschrieben, gesagt, gezeichnet oder sonst wie geschaffen wurde, vernichten.
Den Blog, mein StudiVZ Profil, meinen Yahoo Answers Account, meine Tagebücher, meine Notizblöcke, meine Skizzenbücher, meine Bildermappe; am besten die ganze Festplatte mit den Kurzgeschichten, Gedichten und Digitalfotos…und dann auch noch alles, was mich sonst irgendwie ausmacht – die Bücher in meinem Regal, die Poster an den Wänden – dieser ganze Altar der Melancholie zu dem ich meine Umgebung gemacht hab – am liebsten würde ich es alles wegwerfen und verbrennen.
Und dann raus und über die Straße gehen, irgendwo hin, und nie wieder kommen. Doch dann würde immer noch eine Sache fehlen. All die Dinge, die ich grade so verabscheue hätten immer noch ein Refugium: meinen Kopf. Ich kann mich nicht selbst löschen… jedenfalls nicht solange ich lebe.
Und deswegen hab ich es nicht getan. Den Blog noch nicht gelöscht, mein Handyadressbuch existiert noch, genau wie der ganze Rest. Denn ich muss einfach am Leben bleiben. Wenn schon nicht für mich, dann für die, die mich brauchen.
Wenn ich also nicht ohne mich leben kann, und vielleicht noch eine ganze Weile hier sein werde, kann ich die Zeit auch nutzen, zu versuchen, all diese Dinge anzunehmen… Meine Bilder nicht mehr zu hassen, sobald sie fertig sind, meine Geschichten nicht mehr nach der zweiten Seite zu zerreißen, meine Gedichte nicht mehr wegzuwerfen… sondern vielleicht irgendwann etwas wertvolles darin zu sehen – und die Vergangenheit nicht mehr vergessen zu wollen, sondern sie zu akzeptieren. Die guten wie die schlechten Momente. Immerhin zeigt all das auch, was ich schon durchgestanden habe. Und dass es schwer war. Aber dass ich es geschafft habe. Vielleicht werde ich irgendwann einmal so was wie Stolz oder so darüber empfinden können.
Auch wenn dieser Moment in so weiter Ferne scheint. Aber solang ich hier bin, heißt das, ich hab noch nicht aufgegeben, sondern arbeite weiter. Wer weiß, vielleicht wird ja wirklich irgendwann man mal alles etwas besser.
Schlechter kann es im Moment schließlich nicht mehr werden.
