subversive ideas

24 08 2009

Wenn man sich ansieht, was in letzter Zeit aus diesem Blog geworden ist, mag man es vielleicht nicht glauben – aber ich kann Selbstmitleid nicht leiden. Zumindest nicht, wenn ich mich selbst bemitleide. Trotzdem bin ich so verdammt gut darin. Die letzten Einträge triefen schließlich davon. Wenn ich sie lese, komme ich mir Dumm und Schwach vor.

Ehrlich gesagt schwebte mein Mauszeiger auch schon mehr als einmal über der „Blog dauerhaft löschen“ Taste. Manchmal will ich einfach alles was je über mich oder von mir geschrieben, gesagt, gezeichnet oder sonst wie geschaffen wurde, vernichten.

Den Blog, mein StudiVZ Profil, meinen Yahoo Answers Account, meine Tagebücher, meine Notizblöcke, meine Skizzenbücher, meine Bildermappe; am besten die ganze Festplatte mit den Kurzgeschichten, Gedichten und Digitalfotos…und dann auch noch alles, was mich sonst irgendwie ausmacht – die Bücher in meinem Regal, die Poster an den Wänden – dieser ganze Altar der Melancholie zu dem ich meine Umgebung gemacht hab – am liebsten würde ich es alles wegwerfen und verbrennen.

Und dann raus und über die Straße gehen, irgendwo hin, und nie wieder kommen. Doch dann würde immer noch eine Sache fehlen. All die Dinge, die ich grade so verabscheue hätten immer noch ein Refugium: meinen Kopf. Ich kann mich nicht selbst löschen… jedenfalls nicht solange ich lebe.

Und deswegen hab ich es nicht getan. Den Blog noch nicht gelöscht, mein Handyadressbuch existiert noch, genau wie der ganze Rest. Denn ich muss einfach am Leben bleiben. Wenn schon nicht für mich, dann für die, die mich brauchen.

Wenn ich also nicht ohne mich leben kann, und vielleicht noch eine ganze Weile hier sein werde, kann ich die Zeit auch nutzen, zu versuchen, all diese Dinge anzunehmen… Meine Bilder nicht mehr zu hassen, sobald sie fertig sind, meine Geschichten nicht mehr nach der zweiten Seite zu zerreißen, meine Gedichte nicht mehr wegzuwerfen… sondern vielleicht irgendwann etwas wertvolles darin zu sehen – und die Vergangenheit nicht mehr vergessen zu wollen, sondern sie zu akzeptieren. Die guten wie die schlechten Momente. Immerhin zeigt all das auch, was ich schon durchgestanden habe. Und dass es schwer war. Aber dass ich es geschafft habe. Vielleicht werde ich irgendwann einmal so was wie Stolz oder so darüber empfinden können.

Auch wenn dieser Moment in so weiter Ferne scheint. Aber solang ich hier bin, heißt das, ich hab noch nicht aufgegeben, sondern arbeite weiter. Wer weiß, vielleicht wird ja wirklich irgendwann man mal alles etwas besser.

Schlechter kann es im Moment schließlich nicht mehr werden.





Change your ways while you’re young

13 08 2009

So, bin wieder zurück. Ich hatte nicht vor, so eine lange Auszeit zu nehmen, aber ich hab einfach kein einziges Wort aufs Papier gekriegt. Ich war physisch so fertig und hab die meiste Zeit nur mit rumliegen verbracht. Die Tagesmüdigkeit wird immer mehr zum Problem. Zur Zeit bin ich dabei meine Medikamentendosis zu reduzieren. Vielleicht hilft das.

Die Klausuren warn ne Katastrophe. Drei von sechs hab ich mitgeschrieben und bin durchgefallen, für den Rest hab ich mich schon in weiser Voraussicht krankschreiben lassen. Das ist das gute daran, wenn man offiziell nicht alle Tassen im Schrank hat: man muss nicht lange um ärztliche Atteste betteln. Und damit ist auch klar wie meine Ferien aussehen – ich werde jeden Tag in der Bibliothek verbringen, in dem verzweifelten Versuch die Versäumnisse eines total ruinierten Semesters auszubügeln.

Trotzdem sollte ich mich vielleicht mit dem Gedanken vertraut machen, dass dieses studentische Intermezzo bald ein Ende finden wird. Für die Klausuren, für die ich krank geschrieben war, habe ich zwar noch zwei Versuche, aber wenn ich eine der nicht bestandenen noch mal verhaue, bin ich raus. Wenigstens kann ich dann endlich aus dieser scheiß Stadt verschwinden.

Andrerseits ist die Uni eigentlich alles, was ich habe. Ich meine, ich studiere ein Fach, das ich liebe… wie konnte ich das letzte halbe Jahr nur derart in den Sand setzen? Das werd ich mir nie verzeihen. 

Ich fühle mich so alt und abgenutzt. Es kommt mir vor, als hätte ich eine Hälfte meines Lebens in Bars, Discos und auf Partys verbracht. Und vielleicht hatte ich die letzten Jahre einfach schon mehr Spaß, als mir zusteht. Denn mittlerweile kann ich nicht mal mehr das; dieses einfach raus gehen, Leute treffen, sich kokett und charmant geben… diese Spielchen mitspielen – das fühlt sich alles so leer an. Ich hab das so lange gemacht und gedacht, ja, das ist das Leben. Aber in Wahrheit bedeutet es gar nichts. Was ist mir aus dieser Zeit schon geblieben? Ein Loch im Portmonee, ein abgebrochener Zahn, ein Adressbuch voller Nummern von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und eigentlich auch nie wieder sehen will… einfach nicht viel mehr, als ein riesiger Haufen schlechter Erinnerungen. Dieser Teil meines Lebens ist definitiv vorbei. Ich kann das nicht mehr.

Und wenn der fleißige Teil, der Intelektuelle, mit dem ich meine Eskapaden moralisch ausgeglichen hab, auch noch wegfällt… was bleibt mir dann noch?

Ich will das alles Ändern. Ich will jedes einzelne Detail an der Art, wie die Dinge laufen, ändern. Ich will alles besser machen. Ich will endlich mal was gut machen. Aber vielleicht hatte ich meine Chance schon? Ich hab wirklich Angst vor dem, was kommt. Diesmal komm ich da nicht wieder irgendwie raus. Ich hab den Bogen überspannt. Die Zukunft macht mir verdammt Angst.