Change your ways while you’re young

13 08 2009

So, bin wieder zurück. Ich hatte nicht vor, so eine lange Auszeit zu nehmen, aber ich hab einfach kein einziges Wort aufs Papier gekriegt. Ich war physisch so fertig und hab die meiste Zeit nur mit rumliegen verbracht. Die Tagesmüdigkeit wird immer mehr zum Problem. Zur Zeit bin ich dabei meine Medikamentendosis zu reduzieren. Vielleicht hilft das.

Die Klausuren warn ne Katastrophe. Drei von sechs hab ich mitgeschrieben und bin durchgefallen, für den Rest hab ich mich schon in weiser Voraussicht krankschreiben lassen. Das ist das gute daran, wenn man offiziell nicht alle Tassen im Schrank hat: man muss nicht lange um ärztliche Atteste betteln. Und damit ist auch klar wie meine Ferien aussehen – ich werde jeden Tag in der Bibliothek verbringen, in dem verzweifelten Versuch die Versäumnisse eines total ruinierten Semesters auszubügeln.

Trotzdem sollte ich mich vielleicht mit dem Gedanken vertraut machen, dass dieses studentische Intermezzo bald ein Ende finden wird. Für die Klausuren, für die ich krank geschrieben war, habe ich zwar noch zwei Versuche, aber wenn ich eine der nicht bestandenen noch mal verhaue, bin ich raus. Wenigstens kann ich dann endlich aus dieser scheiß Stadt verschwinden.

Andrerseits ist die Uni eigentlich alles, was ich habe. Ich meine, ich studiere ein Fach, das ich liebe… wie konnte ich das letzte halbe Jahr nur derart in den Sand setzen? Das werd ich mir nie verzeihen. 

Ich fühle mich so alt und abgenutzt. Es kommt mir vor, als hätte ich eine Hälfte meines Lebens in Bars, Discos und auf Partys verbracht. Und vielleicht hatte ich die letzten Jahre einfach schon mehr Spaß, als mir zusteht. Denn mittlerweile kann ich nicht mal mehr das; dieses einfach raus gehen, Leute treffen, sich kokett und charmant geben… diese Spielchen mitspielen – das fühlt sich alles so leer an. Ich hab das so lange gemacht und gedacht, ja, das ist das Leben. Aber in Wahrheit bedeutet es gar nichts. Was ist mir aus dieser Zeit schon geblieben? Ein Loch im Portmonee, ein abgebrochener Zahn, ein Adressbuch voller Nummern von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und eigentlich auch nie wieder sehen will… einfach nicht viel mehr, als ein riesiger Haufen schlechter Erinnerungen. Dieser Teil meines Lebens ist definitiv vorbei. Ich kann das nicht mehr.

Und wenn der fleißige Teil, der Intelektuelle, mit dem ich meine Eskapaden moralisch ausgeglichen hab, auch noch wegfällt… was bleibt mir dann noch?

Ich will das alles Ändern. Ich will jedes einzelne Detail an der Art, wie die Dinge laufen, ändern. Ich will alles besser machen. Ich will endlich mal was gut machen. Aber vielleicht hatte ich meine Chance schon? Ich hab wirklich Angst vor dem, was kommt. Diesmal komm ich da nicht wieder irgendwie raus. Ich hab den Bogen überspannt. Die Zukunft macht mir verdammt Angst.   





Looks like rain

12 07 2009

Über die letzten Tage hab ich mehrmals versucht einen Eintrag zu verfassen, der alles enthält, was mir im Kopf rumgeht… aber ich habs nicht geschafft. Es sind nur weitere seitenlange Leichen für den Entwurfsordner rausgekommen. Ich bin nicht gut drin Dinge aufzuschreiben, die länger zurückliegen. Wenn das Gefühl der Situation verflogen ist, macht alles keinen Sinn mehr.

Aber ich versuchs jetzt nochmal – einfach ein Abriss der letzten Wochen, dann schaff ich es vielleicht bevor meine Konzentrationsspanne wieder überschritten ist.

Ok, worauf es hinausläuft ist, dass ich einfach nicht auf mich aufpassen kann. Ich esse nicht, vor allem aus Zeitmangel… ich vergesse es, die Mensa schließt um 14 Uhr, ich will noch dies und das erledigen… dann ist eine Woche vergangen und alles was ich runter gekriegt hab, warn ein paar Schüsseln Cornflakes am Morgen. Ich lebe also die meiste Zeit von Kaffee, Zigaretten und Pillen.

Ich schlafe nicht. Vor allem aus Zeitmangel. Da ist noch dieses Übungslatt, am Freitag soll ich ne Klausur über ne Vorlesung schreiben in der ich das ganze Semester vielleicht drei mal war. Dann ist es vier Uhr und ich habe keine Lust mehr ins Bett zu gehen, nur um dann zu verschlafen.

Die Abende hier sind die Hölle. Ich ertrage die Einsamkeit nicht, die Musik die hier ununterbrochen läuft, um die Stille zu vertreiben kratzt mich noch mehr auf – oft geh ich noch raus, wandere durch die Straßen, nur um zu sehen, dass diese beschissene Stadt leergefegt ist, als wär ich der einzige Mensch auf der Welt. Ich hab die letzten zwei Wochen kaum eine Nacht überstanden ohne die eine oder andere Droge zu konsumieren, entweder die, die man in der Apotheke kriegt, oder die, die man anderswo besorgt.

Ich schlucke weit mehr Beruhigungsmittel als ich sollte. Einfach damit das Zittern in meinen Händen aufhört und der Vortex der Gedanken in meinem Kopf still ist.

Ich schneide mich wieder. Es fühlt sich so gut an, wie eh und je. Da ist noch so viel Platz auf meinen Oberschenkeln. Warum sollte ich den nicht nutzen? Whatever gets you through the day, right?

Oft starre ich mich Spiegel an und suche nach einer Antwort in diesen Augen, einen Hinweis darauf, wann und warum genau ich vom Weg abgekommen bin, nach dem es mir monatelang so gut ging. Aber dieses hübsche Gesicht starrt nur fragend zurück. Warum ruinierst du dein Leben? Warum jetzt?

Ich bin jetzt Anfang zwanzig. Es heißt, dass viele, die so sind wie ich, in dieser Zeit ein morbides Crescendo erleben, und auf eine kosmische Katastrophe zusteuern, die die Grundfeste ihrer Realität erschüttert… und genau so fühlt es sich an. Wie lang kann ich noch so weitermachen? Es heißt, dass es besser wird, wenn man bis 40 überlebt.

Also trinken wir auf die nächsten zwanzig Jahre. Und hoffen weiterhin, dass es doch nur ein Alptraum ist, aus dem ich noch aufwache.

Mein Psychiater glaubt daran offenbar nicht mehr. Er hat die Abteilung gewechselt. Ich bin nicht so eingebildet zu glauben, dass er das getan hat, um mich loszuwerden, aber das ist sicher ein angenehmer Nebeneffekt für ihn. Jetzt hab ich in zwei Monaten einen Termin bei einer neuen. Halleluja.

Ich hasse diesen Eintrag, aber ich muss das alles einfach irgendwie ausdrücken. Und wenn ich den jetzt wieder nicht veröffentliche wird es gar nichts mehr.





Total annihilation

21 06 2009

Ich hab noch 27 Minuten, dann ist der Akku dieses Laptops genauso leer gebrannt wie ich, deswegen muss ichs kurz machen.

Ich könnte die 27 Minuten wahrscheinlich besser nutzen, als diesen Eintrag zu schreiben, denn eigentlich gibt es nichts neues. Das einzige was mir einfällt ist, dass ich wirklich, wirklich zerfalle. Mein Kopf und mein Körper spielen nicht mehr mit.

Letzte Woche habe ich beschlossen, endlich einen Schlussstrich unter das ewige hin und her mit meiner Ex- und dann wieder nicht Ex-Freundin zu ziehen. Das ging plötzlich ganz leicht, denn ich hatte nämliche zum ersten mal seit langem wieder ein Date. Und es war schön. Und ich hab mir von Herzen gewünscht, dass wir uns wieder sehen.

Aber das alles bedeutet nichts. Nach den letzten zwei Wochen, will ich eigentlich niemanden mehr sehen. Ich konnte letzte Woche für über 50 Stunden nicht schlafen. Meine Augen haben genug gesehen. Und ich bin halb taub davon, dass mein Kopf mir ständig sagt, dass das für immer ist, dass ich endlich Schluss machen soll, nicht nur mit der Frauen-Kiste, sonder mit allem. Es ist so schwer sich aufs überleben zu konzentrieren, wenn der eigene Verstand ständig versucht einen umzubringen. Und mein Körper nimmt es mir übel, dass ich seit einer Woche nichts gegessen habe, als ein paar Schüsseln Cornflakes.

12 Minuten. Die Zeit vergeht, und ich hab das Gefühl ich vergehe mit, Minute um Minute. Ich hab immer versucht, alles bis zum äußersten zu tun, ganz oder gar nicht, das Leben, die Liebe und alles Andere. Aber ich annihiliere alles womit ich in Berührung komme.

Ich hab das Licht gesucht und bin gegen ne glühende Lampe geknallt. Jetzt segle ich zu Boden, wie eine Motte mit verbrannten Flügeln.

Entschuldigung wegen der Phrasendrescherei. Mir ist das Selbstmittleid unangenehm, aber es tut einfach zur sehr weh, als dass ich noch zum Versuch fähig wäre, es irgendwie anders auszudrücken als zu beschreiben, wie es sich anfühlt. Und so fühlt es sich an, wie Schmerz.

„Hello dear Mr. Dr. Sir. How I feel? Well, I haven’t slept or eaten in a week. I don’t mean to sound silly – but could it be that there is something wrong… with my head?”





All I ever wanted was to be good

12 06 2009

Ich denke ich bin mal wieder einen längeren Artikel schuldig. Das klingt, als würde ich das hier nicht freiwillig machen, es ist nur so, dass ich alles immer möglichst gut machen will und dann wird es leicht anstrengend…

Da ist dieser Satz in Prozac Nation von Elizabeth Wurtzel… „All I ever wanted was to be good.“ Es klingt wahnsinnig blöd, aber ich habe mal ernsthaft versucht, das erste Kapitel dieses Buches auswendig zu lernen, einfach damit mir nie wieder die Worte fehlen wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, oder wie es sich anfühlt… auseinander zu fallen. Ich fand, dieses Buch trifft es einfach perfekt, Wort für Wort. Ich hab die Idee aber verworfen, vor allem deshalb, weil ich nur die englische Ausgabe hatte und irgendjemanden mit diesem Monolog auch noch auf Englisch zu überrollen hätte die Sache einen Tick zu theatralisch gemacht. Sogar für mich.

Aber es stimmt, ich wollte immer ‚gut‘ sein… das ist wahrscheinlich der Grund warum ich nicht weiß, was ich sagen soll, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Und ich meine jetzt nicht das rhetorische „Alles OK?“… selbst wenn mich mein (neuer, wieder mal) Psychiater reinruft setze ich vorher ein Lächeln auf. Und deshalb bin ich selbst schuld, dass ich niemals adäquate Behandlung bekommen werde, denn alles was Ärzte oder Therapeuten tun, wenn man sagt, es gehe einem gut, oder es gehe einem OK, oder selbst wenn man vorsichtig bemerkt, man hätte einen schlechten Tag… was sie tun ist, sie freuen sich über einen weiteren glücklichen Patienten, schütteln einem die Hand und sagen man soll in 4 Wochen wieder kommen.

Und dabei ist dieser Typ zurzeit wahrscheinlich der einzige Mensch, bei dem ich mich nicht zurückhalten sollte. Ich sollte ihn überschütten. Ich sollte ihm unmissverständlich sagen, dass es nicht mehr Ok ist, dass ich dieses Leben so nicht mehr will, dass ich emotional kaputt bin, und mir wünsche wenigstens innerlich tot zu sein, damit ich einfach als Leblose Hülle, der es egal ist, dass die Welt die Hölle ist, mein Leben zu Ende leben kann, ohne weiterhin fühlen zu müssen. Ich sollte in Tränen ausbrechen und es ihm so lange erklären, bis er es versteht.
Denn bevor man nicht mit einem abgerissenen Strick um den Hals reinkommt kapieren sie’s nicht.

Vielleicht wirke ich mittlerweile auch zu zahm, weil Selbstmord keine Option mehr ist. Nicht solange einige meiner engsten Verwandten noch leben. Diese Erkenntnis hat sich mir eingebrannt, als ich in die Psychiatrie eingewiesen wurde und gesehen habe, was das schon mit ihnen gemacht hat. Es ist verdammt hart, wenn lange gehütete Kartenhäuser des Schweigens zum Einsturz gebracht werden. Zumindest jetzt empfinde ich so. Vielleicht lässt es nach, wenn die Erfahrung verblasst, aber bis dahin brauchen die Leute die gehofft haben, ich würde mir irgendwann vor laufender Web-Cam den Rest geben, erstmal nicht mehr mitlesen.

Es kommt mir einfach nicht über die Lippen, wie so vieles Andere. Ich bin eine Niete, was Kommunikation angeht, ich ersticke an den Worten, die ich sagen müsste, um meine Beziehungen zu retten, meine Bekannten/Freunde zu behalten, um überhaupt irgendjemanden so nahe heranzulassen, dass sich eine Beziehung, egal ob intim oder freundschaftlich, ‚echt‘ anfühlen könnte. Der wahre Grund, warum ich allein bin, bin ich.

Eine weitere Lektion in Sachen Selbstsabotage gefällig? Ok, ich werde demnächst wieder in Therapie sein. Das ging so plötzlich, weil ich herausgefunden habe, dass die Uni tatsächlich eine Beratungsstelle hat, die richtige Psychotherapie anbietet. Da gibt es eine offene Sprechstunde, die quasi als Vorgespräch zu einer längeren Therapie dient, sollte es als dienlich befunden werden. Das lustige ist, dass es mir an diesem Tag nicht besonders gut ging, ich mir eine Lorazepam eingeworfen habe, und dann in eine dieser galgenhumorigen Stimmungen geraten bin. Ich hab mich also relativ schick gemacht und gehofft, ich würde an eine TherapeutIN geraten (ist das chauvinistisch?). Dazu muss man sagen, dass es Tage gibt, an denen ich mich selbst für übermäßig gut aussehend halte, zumindest wenn ich mich aufraffen kann mir die Haare zu waschen.
Nach einer Ewigkeit im Wartezimmer, das mit Sesseln ausgestattet war, die bequem sein sollen, in denen man aber so tief einsinkt, dass man mit dem Kopf auf den Knien liegt (das muss die 70er Jahre Vorstellung von bequem gewesen sein), wurden meine Hoffnungen in unerwartetem Maß erfüllt – eine Therapeutin schüttelte mir die Hand. Aber was noch viel besser war, und womit ich nicht in meinen Therapie-(Alp)träumen gerechnet hätte – sie fragte mich gleich, ob ich wohl etwas dagegen hätte, wenn eine Psychologiestudentin mit anwesend wäre. Meine Antwort ist klar – NEIN. Ich wurde in den Therapie-Raum geführt und fand besagte Studentin als sehr hübsch und ausgesprochen Sympathisch vor. Um dem Impuls zu wiederstehen, mich rückwärts aus dem Fenster fallen zu lassen, setzte ich mich.
Auf jeden Fall kann man sich wohl vorstellen, wie dieses ‚Vorgespräch‘ abgelaufen ist. Ich – so kokett, witzig, charmant wie ich nur sein kann – Die Frage nach der Krankengeschichte – meine Antwort: in Behandlung wegen ‚Borderline‘ – Sitzung gelaufen.
Was ich noch mitbekomme, als ich rausrenne, um mich vor ein  Auto zu werfen: ich soll in drei Wochen zu meiner ersten regulären Sitzung kommen; die Studentin fragt, ob sie wieder dabei sein dürfe; ich sage Ja.

Die Frage, die bleibt: wie kann man nur so blöd sein?
Diese Therapie war schon zum scheitern verurteilt, als ich meine Wohnung verlassen habe. Und dann bediene ich im Gespräch jedes erdenkliche Klischee, das über Menschen wie mich existiert, sage auch noch meine Diagnose und alles woran ich dabei denke, ist wie ich mich möglichst interessant und sympathisch präsentiere, nur weil mir da eine Frau gegenüber sitz, von der ich insgeheim hoffe, dass sie mit mir ausgehen und sich in mich verlieben wird. Egal, wie eloquent ich es ausdrücke, so einfach laufen meine innersten Antriebsmechanismen ab.

Aber ich denke, interessant zu wirken war nicht schwer, denn die Wahrheit ist doch, die unbedarfte Öffentlichkeit liebt Borderline-Persönlichkeiten. Auf unerfahrene Therapeuten trifft das wahrscheinlich auch zu. Jeder Träumt davon, mal etwas extremes oder übertriebenes oder unangebrachtes zu tun – und wir tun es. Mit uns wird es nie langweilig, wir geben interessante Geschichten her, es ist ein Leben voller Schlagzeilen. Wir sind jung und klug und hübsch, müssen wir ja sein, sonst würden wir es nicht schaffen so schwierig zu sein und trotzdem, wenn uns danach ist, die Nähe zu bekommen, ohne die wir ja eingehen.

Alle wollen uns – solange sie nur nicht mit uns leben müssen. Von außen betrachtet mögen wir manchmal wie die Rockstars des Alltags wirken, aber eine oberflächliche Betrachtung zeigt nicht, was alles auf der Strecke bleibt. Man muss hinter die Klischees sehen, dann offenbart sich das Nachspiel, die Konsequenzen, wie wir verzweifelt versuchen eine Ausbildung oder einen Job zu behalten, und wie so viele dabei scheitern. Wenn man mit uns leben muss, sieht man, wo diese Krankheit hinführt – in Kliniken und Psychiatrien, in Studienabbrecherquoten und unterbezahlte, trostlose Tätigkeiten, in die Abhängigkeit von Sozialhilfe und Frührenten, zur Verschwendung jedweden eventuell einmal vorhandenen gewesenen Potentials, in die totale Vereinsamung und vielleicht in ein frühes Grab. Mit Anderen Worten: zum Scheitern von gesamten Existenzen. Daran ist nichts hübsch. Es ist eine Krankheit, die starke persönliche Einschränkungen mit sich bringt, und es sehr schwer oder fast unmöglich macht ein erfolgreiches, befriedigendes Leben zu führen.
Jeder wünscht sich, mal über die Stränge zu schlagen. Aber wenn man nicht damit aufhören kann, wird es lästig.

Die Wahrheit ist, ich weiß nicht, wie ich so weiterhin leben soll. Ich glaube, ein paar gute Monate gehabt zu haben, macht die Sache gerade so schrecklich. Es ist der Beweis für mich und alle Anderen, dass ich doch niemals frei sein werde. Mein Umfeld war dabei, sich daran zu gewöhnen, dass das Leben mit mir leichter geworden ist, und ich war es auch. Und jetzt zu sehen, dass das alles nur ein Aufschub war, wirkt wie ein grausamer Trick, es macht mich so abstoßend. Und die Wahrheit ist – ich fühle mich einsamer denn je. Ich kann mir selbst weniger in die Augen sehen denn je. Ich sehe nur noch einen elenden, selbstmitleidigen Versager. Und es ekelt mich.





Stress

19 01 2009

Ich bin im Moment wirklich total im Stress. Das Semester neigt sich dem Ende zu und somit stehen auch massenhaft Prüfungen bevor. Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich sage, dass ich nicht mitgelernt habe, so wie ich es mir vorgenommen hatte. Das heißt ich bin grade dabei mehrere Monate Physik, Mathe und zwei andere Kurse aufzuholen. Glücklicherweise komme ich dabei ganz gut voran, was ich vor allem der Energie zuschreibe, die mir das neue Medikament bringt. Ich habe seit Anfang Dezember keinen Strich mehr gemacht, aber seit letzter Woche kann ich mich erstmals wieder wirklich konzentrieren. Auch sonst geht es mir in jeder Hinsicht schon viel besser. Ich möchte fast sagen, Tranylcypromin bringt nach zwei Wochen schon mehr als alle SSRIs innerhalb von Monaten. Ich will nicht übermäßig Enthusiastisch wirken, aber an diesem Zeug ist auf jeden Fall etwas dran. Auch die Diätrichtlinien, die ich einhalten muss, machen mir überhaupt keine Probleme. Die Unannehmlichkeiten, die MAOIs bereiten, werden absolut überschätzt. Ich finde es schrecklich, dass meine Psychiaterin mir dieses Medikament vorenthalten wollte.

Jetzt muss ich nur noch einen Therapieplatz finden. Ich hab mir von der Koordinationsstelle zwei Nummern geben lassen. Bei der einen wurde mir gesagt, sie wären auf längere Zeit ausgebucht (warum zur Hölle haben sie dann frei Plätze gemeldet??), die anderen haben sich gar nicht mehr gemeldet. Aber was solls, ich habe nicht das Gefühl, dass ich zur Zeit so dringend Hilfe brauche. Zumindest nicht heute Abend. Ich weiß natürlich nicht, wie es morgen aussieht, aber soweit vorauszuplanen ist auch viel verlangt.





New Year’s gonna be grand

13 01 2009

Frohes neues Jahr euch allen!

Ich hoffe ihr seit nicht sauer, weil ich so lange verschwunden war und mit dem letzten Post auch noch so einen betrunken dramatischen Abgang gemacht habe. Ich habe mich die letzten Wochen einfach zuhause eingeschlossen, bin nicht ans Telefon gegangen und habe keine Mails beantwortet. Aber ich wette, ihr hattet auch ohne mein Psychogebrabbel eine schöne Weihnachtszeit.

Mir geht es grade auch relativ gut. Ich bin auch noch nicht ganz verloren. Ich habe gesagt wir wären „at wit’s end”, aber das hat sich eher auf Fachkenntnisse meiner Psychiaterin bezogen. Glücklicherweise habe ich es geschafft, mir selbst zu einem Rezept für einen Monoaminoxidase Hemmer zu verhelfen, einer Klasse von Medikamenten, die ich noch gar nicht ausprobiert habe. Die meisten Ärzte haben Angst es damit zu versuchen. Aber wer braucht die schon?

Ich hab mir auch vorgenommen, es nochmal mit Verhaltenstherapie zu versuchen. Ich hab schon zwei Adressen. Muss nur noch auf den Anrufbeantworter sprechen. Das Schicksal scheint es zu wollen, dass ich diesmal (zum ersten Mal) bei einem männlichen Therapeuten lande. Ist vielleicht ganz gut. Ohne chauvinistisch klingen zu wollen, aber die meisten Frauen scheinen mich sowieso nicht ernst nehmen zu können.

Wow, diesmal war ich mit dem Problem konfrontiert, etwas zu schreiben, das wirklich Informationen enthält. Wie hab ich mich angestellt?

Wenn es da draußen noch irgendjemanden gibt, der diesen Blog liest, und mich noch nicht hasst, weil ich es immer noch nicht geschafft habe seine/ihre E-Mails zu beantworten, dann lasst mich wissen, wie eure Feiertage waren und wie es euch geht. Ich möchte es wirklich wissen. Und ich mache mich jetzt wirklich an eure Mails. Versprochen!





So here we are… at wit’s end

8 12 2008

Als Antwort auf den Kommentar von Neontrauma, einer wirklich tollen Bloggerin, zu „Venlafaxine withdrawal“:

Alles Gute für das Ausschleichen.
Nimmst du stattdessen jetzt ein anderes Medikament?

Nein, tue ich nicht. Heute habe ich meine Psychiaterin gesehen. Sie hat mehr oder weniger zugegeben, dass sie nicht mehr weiter weiß, was meine Behandlung angeht. Einerseits traut sie sich nicht Monoaminoxidasehemmer mit mir auszuprobieren, andererseits fällt ihr auch nichts anderes mehr ein. Das heißt ich bin jetzt wohl offiziell ein hoffnungsloser Fall. Scheiße. Ich bin grade wirklich absolut und irreversibel am Ende. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll.

Suicide leaps to mind. But I know that there’s no sense in that.

Grade habe ich mich nach etwa einem Jahr zum ersten Mal wieder geschnitten. Und ich frage mich warum ich je aufgehört habe. Es fühlt sich so verdammt gut an. Ich habe nur die ganze Zeit das Gefühl, dass ich noch nicht tief genug geschnitten habe.







Venlafaxine withdrawal

2 12 2008

Ich bin auf Entzug. Und ich meine jetzt nicht den üblichen Liebesentzug. Ich bin auf Entzug von meinem derzeitigen Antidepressivum, Trevilor. Man sieht meinen letzten Posts irgendwie an, dass ich in letzter Zeit ziemlich neben der Spur gewesen bin. Aber das spiegelt das volle Ausmaß der Abgehobenheit nur teilweise wieder. Der Konsens zwischen mir und meinen Ärzten besteht darin, dass Trevilor meiner geistigen Verfassung nicht zuträglich ist.

Leider ist Trevilor auch sowas wie das Heroin unter den Antidepressiva. Manche Leute müssen die Retardkapseln aufmachen, die kleinen Kügelchen darin zählen und dann Kügelchen für Kügelchen, Tag für Tag die Dosis reduzieren, um es auszuhalten. Zum Glück nehme ich das Zeug noch nicht so lange und deshalb hoffe ich, dass es reicht, wenn ich in viertägigem Abstand jeweils um die Hälfte reduziere. Seit vier Tagen bin ich auf 112,5 mg (in etwa, ich halbiere die Menge der Kügelchen nach Augenmaß). Ich dachte die ganze Zeit, hey, das ist gar nicht so schlimm. Aber heute muss mein Spiegel irgendwie abgesackt sein. Mir war den ganzen Tag schlecht. Morgen soll ich auf dann auf 75 mg gehen, sodass ich nach dem Plan bis nächsten Mittwoch „clean” bin. Das wird ne lustige Woche…

Ich kann mich nicht wirklich konzentrieren, also wundert euch nicht wenn mein schreiberischer Output mal wieder etwas zurückgeht.





Dieser Post ist überladen

27 11 2008

Wow, mir ist grade aufgefallen, dass ich erledigt wäre, wenn ich jetzt einen Herzinfarkt hätte. Niemand würde mich finden. Seit drei Tagen habe ich kein Wort mehr mit meinen Mitbewohnern gesprochen, abgesehen von „Hallo” und „Tschüss”, nur um zu sehen, was sie tun, ob es ihnen überhaut auffällt. Ist es nicht. Sie haben einfach zurückgeschwiegen. Was bedeute ich meinen Mitbewohnern? Zwei Worte? Denken sie grade, „endlich hat der Typ aufgehört so viel zu labern”? Was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Ich werde Wahnsinnig. Nein ehrlich, ich verliere hier den Verstand. Ich hab sie nicht mehr alle, die Tassen sind raus aus dem Schrank und zerbrochen.

AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH! Was würde jetzt meine ehemalige Therapeutin sagen? „Sie sollten versuchen, ihre Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen.”

Mal überlegen:

Kopf sagt: ………………………………………………… (Kopf sagt nichts, weil er mit einer Zwangsjacke auf einem Bett fixiert ist und gerade eine Haloperidol Infusion bekommt.)

Realität sagt: „Hmmm, lass und die Fakten überprüfen….du schläfst nicht mehr als vier Stunden pro Nacht, du bist total überspannt, deine Hände zittern, du kannst dich nicht konzentrieren, du würdest dich am liebsten selbst KO schlagen um mal wieder etwas Ruhe zu bekommen, etc.”

Verdammt, verdammt, verdammt… ich weiß wirklich nicht was los ist. Aber seit einer Woche kriege ich einfach nichts mehr hin. Ich habe Angst und ich kann nicht sagen wovor, am liebsten würde ich nur im Bett liegen und mich keinen Millimeter bewegen, die Augen auf einen Punkt an der Decke fixiert, den ganzen Tag. Ich würde so so gerne meine Psychiaterin sehen. Aber sie hat erst in elf Tagen Zeit für mich. Andererseits wenn ich sie sehe, dann möchte ich eigentlich nur dasitzen, und ihr in die Augen sehen, weil ich weiß, dass die Worte aus ihrem hübschen Mund nichts ändern werden.

———————————————————————————

Wenn jetzt überhaupt noch jemand da ist, dann habe ich eine Frage: Es lesen doch bestimmt ein,zwei betroffene diesen Blog (zumindest wünsche ich mir das):

Wie habt ihr es geschafft weiterzumachen, als euch die brutale Wahrheit klar, nicht nur bekannt sondern wirklich klar, geworden ist, dass es für den Rest eures Lebens so weitergehen wird? Dass Persönlichkeitsstörungen chronische Zustände sind?

(Ok, es heißt die Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung erfahren ab dem 40 Lebensjahr meist von selbst eine Besserung, aber soweit muss man erst mal kommen.)

Am Ende bin ich eigentlich nicht mehr, als eine Karikatur. So wie eine Karikatur eine Sammlung eigenartiger Merkmalen ist, so bin ich eine Sammlung eigenartiger Symptome…nicht mehr. (D.h. ich sehe mich wahrscheinlich so, wie Ärzte normalerweise ihre Mitmenschen). Vielleicht hat es mal eine Zeit gegeben, in der es noch korrekt gewesen wäre, mich selbst von meinen krankhaften Anteilen zu separieren. Aber mittlerweile sind wir ein und dasselbe. Ich habe so viele Sachen erlebt, von denen ich glaube, sie wären nie passiert, wenn ich der Mensch wäre, der ich sein will. Im Guten, wie im Schlechten.

Help.





No more longing

20 11 2008

Als ich vorgestern in der Uni saß, draußen auf einer Bank, in einer Hand die Kaffetasse und gleichzeitig die Zigarette zwischen den Fingern haltend und die andere Hand in der Tasche um meine Finger vor dem imminenten Gefrierbrand zu schützen, hervorgerufen von dem eisigen Wind, der mir den Rauch in die Augen blies und Poster von Studentenpartys von vor zwei Jahren über den Platz pustete -

Argh! Was für ein Satz…

Ich fang nochmal an:

Als ich vorgestern in der Uni bei eisigem Wind mit einem Kaffe zum Rauchen auf dem Platz saß, sah ich von weitem meinem neusten Schwarm nach, wie sie vorüberging. Da entstand die Frage in meinem Kopf: „Was ist eigentlich die Ursache all deinen Leids, deines Schmerzes, was ist es, das dieses Hamsterrad der Gefühle antreibt?”

Und da fiel es mir auf. Es ist nicht dieses Mädchen, noch ihre Vorgängerin, nicht meine Ex, die mich in dieser Hölle zurücklies, und auch nicht die Welt, die ach so Kalt und einsam ist. Nein.

Es ist die Sehnsucht. The longing.

Longing is a sea without a shore
Not of water, but much more insidious
When you go under, it infuses your lungs
Then it spits you out to carry its suffering
Into the world

Ich verzehre mich nach so vielen Dingen, nach Liebe, nach Tod und Wiedergeburt – wo hat es mich hingeführt? Mein Kopf liegt nicht auf dem Schoß der einen Frau, die mich hier rausholen wird. Nein, es hat mich in die geschlossenen Anstalt gebracht, an Orte, von denen ich mir wünsche ich hätte sie nie gesehen.

Und deshalb gibt es nur eine Sache, die ich ändern muss: Ich muss aufhören mit der Sehnsucht. Ich muss die Killers CD aus der Stereoanlage nehmen und aufhören, mich für Dinge umzubringen, die es vielleicht gar nicht gibt.

Und deshalb wird das ab jetzt mein Mantra:

No more longing. You have everything that you need.

Und es hat schon etwas bewirkt. Ich sitze jetzt nämlich gerade zuhause und bin nicht mit Leuten, die ich nicht wirklich mag einen Trinken gegangen, obwohl ich morgen gar keine Uni hätte, um mich dann morgen wieder selbst zu hassen.

Also rauchen wir eine Zigarette auf die Selbstzufriedenheit!

Wünscht mir Glück.








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