So, bin wieder zurück. Ich hatte nicht vor, so eine lange Auszeit zu nehmen, aber ich hab einfach kein einziges Wort aufs Papier gekriegt. Ich war physisch so fertig und hab die meiste Zeit nur mit rumliegen verbracht. Die Tagesmüdigkeit wird immer mehr zum Problem. Zur Zeit bin ich dabei meine Medikamentendosis zu reduzieren. Vielleicht hilft das.
Die Klausuren warn ne Katastrophe. Drei von sechs hab ich mitgeschrieben und bin durchgefallen, für den Rest hab ich mich schon in weiser Voraussicht krankschreiben lassen. Das ist das gute daran, wenn man offiziell nicht alle Tassen im Schrank hat: man muss nicht lange um ärztliche Atteste betteln. Und damit ist auch klar wie meine Ferien aussehen – ich werde jeden Tag in der Bibliothek verbringen, in dem verzweifelten Versuch die Versäumnisse eines total ruinierten Semesters auszubügeln.
Trotzdem sollte ich mich vielleicht mit dem Gedanken vertraut machen, dass dieses studentische Intermezzo bald ein Ende finden wird. Für die Klausuren, für die ich krank geschrieben war, habe ich zwar noch zwei Versuche, aber wenn ich eine der nicht bestandenen noch mal verhaue, bin ich raus. Wenigstens kann ich dann endlich aus dieser scheiß Stadt verschwinden.
Andrerseits ist die Uni eigentlich alles, was ich habe. Ich meine, ich studiere ein Fach, das ich liebe… wie konnte ich das letzte halbe Jahr nur derart in den Sand setzen? Das werd ich mir nie verzeihen.
Ich fühle mich so alt und abgenutzt. Es kommt mir vor, als hätte ich eine Hälfte meines Lebens in Bars, Discos und auf Partys verbracht. Und vielleicht hatte ich die letzten Jahre einfach schon mehr Spaß, als mir zusteht. Denn mittlerweile kann ich nicht mal mehr das; dieses einfach raus gehen, Leute treffen, sich kokett und charmant geben… diese Spielchen mitspielen – das fühlt sich alles so leer an. Ich hab das so lange gemacht und gedacht, ja, das ist das Leben. Aber in Wahrheit bedeutet es gar nichts. Was ist mir aus dieser Zeit schon geblieben? Ein Loch im Portmonee, ein abgebrochener Zahn, ein Adressbuch voller Nummern von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und eigentlich auch nie wieder sehen will… einfach nicht viel mehr, als ein riesiger Haufen schlechter Erinnerungen. Dieser Teil meines Lebens ist definitiv vorbei. Ich kann das nicht mehr.
Und wenn der fleißige Teil, der Intelektuelle, mit dem ich meine Eskapaden moralisch ausgeglichen hab, auch noch wegfällt… was bleibt mir dann noch?
Ich will das alles Ändern. Ich will jedes einzelne Detail an der Art, wie die Dinge laufen, ändern. Ich will alles besser machen. Ich will endlich mal was gut machen. Aber vielleicht hatte ich meine Chance schon? Ich hab wirklich Angst vor dem, was kommt. Diesmal komm ich da nicht wieder irgendwie raus. Ich hab den Bogen überspannt. Die Zukunft macht mir verdammt Angst.
