Change your ways while you’re young

13 08 2009

So, bin wieder zurück. Ich hatte nicht vor, so eine lange Auszeit zu nehmen, aber ich hab einfach kein einziges Wort aufs Papier gekriegt. Ich war physisch so fertig und hab die meiste Zeit nur mit rumliegen verbracht. Die Tagesmüdigkeit wird immer mehr zum Problem. Zur Zeit bin ich dabei meine Medikamentendosis zu reduzieren. Vielleicht hilft das.

Die Klausuren warn ne Katastrophe. Drei von sechs hab ich mitgeschrieben und bin durchgefallen, für den Rest hab ich mich schon in weiser Voraussicht krankschreiben lassen. Das ist das gute daran, wenn man offiziell nicht alle Tassen im Schrank hat: man muss nicht lange um ärztliche Atteste betteln. Und damit ist auch klar wie meine Ferien aussehen – ich werde jeden Tag in der Bibliothek verbringen, in dem verzweifelten Versuch die Versäumnisse eines total ruinierten Semesters auszubügeln.

Trotzdem sollte ich mich vielleicht mit dem Gedanken vertraut machen, dass dieses studentische Intermezzo bald ein Ende finden wird. Für die Klausuren, für die ich krank geschrieben war, habe ich zwar noch zwei Versuche, aber wenn ich eine der nicht bestandenen noch mal verhaue, bin ich raus. Wenigstens kann ich dann endlich aus dieser scheiß Stadt verschwinden.

Andrerseits ist die Uni eigentlich alles, was ich habe. Ich meine, ich studiere ein Fach, das ich liebe… wie konnte ich das letzte halbe Jahr nur derart in den Sand setzen? Das werd ich mir nie verzeihen. 

Ich fühle mich so alt und abgenutzt. Es kommt mir vor, als hätte ich eine Hälfte meines Lebens in Bars, Discos und auf Partys verbracht. Und vielleicht hatte ich die letzten Jahre einfach schon mehr Spaß, als mir zusteht. Denn mittlerweile kann ich nicht mal mehr das; dieses einfach raus gehen, Leute treffen, sich kokett und charmant geben… diese Spielchen mitspielen – das fühlt sich alles so leer an. Ich hab das so lange gemacht und gedacht, ja, das ist das Leben. Aber in Wahrheit bedeutet es gar nichts. Was ist mir aus dieser Zeit schon geblieben? Ein Loch im Portmonee, ein abgebrochener Zahn, ein Adressbuch voller Nummern von Leuten, die ich überhaupt nicht kenne und eigentlich auch nie wieder sehen will… einfach nicht viel mehr, als ein riesiger Haufen schlechter Erinnerungen. Dieser Teil meines Lebens ist definitiv vorbei. Ich kann das nicht mehr.

Und wenn der fleißige Teil, der Intelektuelle, mit dem ich meine Eskapaden moralisch ausgeglichen hab, auch noch wegfällt… was bleibt mir dann noch?

Ich will das alles Ändern. Ich will jedes einzelne Detail an der Art, wie die Dinge laufen, ändern. Ich will alles besser machen. Ich will endlich mal was gut machen. Aber vielleicht hatte ich meine Chance schon? Ich hab wirklich Angst vor dem, was kommt. Diesmal komm ich da nicht wieder irgendwie raus. Ich hab den Bogen überspannt. Die Zukunft macht mir verdammt Angst.   





Looks like rain

12 07 2009

Über die letzten Tage hab ich mehrmals versucht einen Eintrag zu verfassen, der alles enthält, was mir im Kopf rumgeht… aber ich habs nicht geschafft. Es sind nur weitere seitenlange Leichen für den Entwurfsordner rausgekommen. Ich bin nicht gut drin Dinge aufzuschreiben, die länger zurückliegen. Wenn das Gefühl der Situation verflogen ist, macht alles keinen Sinn mehr.

Aber ich versuchs jetzt nochmal – einfach ein Abriss der letzten Wochen, dann schaff ich es vielleicht bevor meine Konzentrationsspanne wieder überschritten ist.

Ok, worauf es hinausläuft ist, dass ich einfach nicht auf mich aufpassen kann. Ich esse nicht, vor allem aus Zeitmangel… ich vergesse es, die Mensa schließt um 14 Uhr, ich will noch dies und das erledigen… dann ist eine Woche vergangen und alles was ich runter gekriegt hab, warn ein paar Schüsseln Cornflakes am Morgen. Ich lebe also die meiste Zeit von Kaffee, Zigaretten und Pillen.

Ich schlafe nicht. Vor allem aus Zeitmangel. Da ist noch dieses Übungslatt, am Freitag soll ich ne Klausur über ne Vorlesung schreiben in der ich das ganze Semester vielleicht drei mal war. Dann ist es vier Uhr und ich habe keine Lust mehr ins Bett zu gehen, nur um dann zu verschlafen.

Die Abende hier sind die Hölle. Ich ertrage die Einsamkeit nicht, die Musik die hier ununterbrochen läuft, um die Stille zu vertreiben kratzt mich noch mehr auf – oft geh ich noch raus, wandere durch die Straßen, nur um zu sehen, dass diese beschissene Stadt leergefegt ist, als wär ich der einzige Mensch auf der Welt. Ich hab die letzten zwei Wochen kaum eine Nacht überstanden ohne die eine oder andere Droge zu konsumieren, entweder die, die man in der Apotheke kriegt, oder die, die man anderswo besorgt.

Ich schlucke weit mehr Beruhigungsmittel als ich sollte. Einfach damit das Zittern in meinen Händen aufhört und der Vortex der Gedanken in meinem Kopf still ist.

Ich schneide mich wieder. Es fühlt sich so gut an, wie eh und je. Da ist noch so viel Platz auf meinen Oberschenkeln. Warum sollte ich den nicht nutzen? Whatever gets you through the day, right?

Oft starre ich mich Spiegel an und suche nach einer Antwort in diesen Augen, einen Hinweis darauf, wann und warum genau ich vom Weg abgekommen bin, nach dem es mir monatelang so gut ging. Aber dieses hübsche Gesicht starrt nur fragend zurück. Warum ruinierst du dein Leben? Warum jetzt?

Ich bin jetzt Anfang zwanzig. Es heißt, dass viele, die so sind wie ich, in dieser Zeit ein morbides Crescendo erleben, und auf eine kosmische Katastrophe zusteuern, die die Grundfeste ihrer Realität erschüttert… und genau so fühlt es sich an. Wie lang kann ich noch so weitermachen? Es heißt, dass es besser wird, wenn man bis 40 überlebt.

Also trinken wir auf die nächsten zwanzig Jahre. Und hoffen weiterhin, dass es doch nur ein Alptraum ist, aus dem ich noch aufwache.

Mein Psychiater glaubt daran offenbar nicht mehr. Er hat die Abteilung gewechselt. Ich bin nicht so eingebildet zu glauben, dass er das getan hat, um mich loszuwerden, aber das ist sicher ein angenehmer Nebeneffekt für ihn. Jetzt hab ich in zwei Monaten einen Termin bei einer neuen. Halleluja.

Ich hasse diesen Eintrag, aber ich muss das alles einfach irgendwie ausdrücken. Und wenn ich den jetzt wieder nicht veröffentliche wird es gar nichts mehr.





dropping vanities

29 06 2009

Dieses Studium laugt mich wirklich komplett aus. Ich arbeite seit Ewigkeiten an einem längeren Artikel, aber ich komme kaum voran, einfach weil ich keine Zeit habe… für Garnichts. Ich frage mich, wie manche meiner Kommilitonen es schaffen nebenbei noch ein ‘normales’ Hobby zu pflegen, sowas wie ‘Sport’ oder so… irgendetwas regelmäßiges.

Ich schaffe es ja kaum noch drei Nächte die Woche durch die Discos und Bars zu ziehen.

Dabei gibt es zur zeit so viel, was ich gern aufschreiben würde. Während ein paar meiner Blogger-Kolleginnen es geschafft haben, einen Klinikplatz zu bekommen, und dort hoffentlich ein bisschen verdiente Ruhe finden, hab ich es zumindest endlich hingekriegt, mich wieder in Therapie zu begeben. Die Betonung liegt auf wieder - was Psychotherapie angeht, hab ich ja schon so einige (schlechte) Erfahrung. Und in Bezug auf diesen erneuten Versuch hatte ich die Befürchtung er würde von Anfang an schief gehen, und ich würde ihn bald in diese Kette tragikomischer Patient-Therapeuten Begegnungen einreihen können, die ich quasi schon sammle. Immerhin ging es mir schon nach dem Vorgespräch derart schlecht, dass mir nicht danach war, je wieder dort aufzutauchen.

Aber ich habs getan. Letzte Woche war mein erster richtiger Termin. Und eigentlich kann ich es immer noch nicht ganz fassen. Ich hab vor kurzem gehört, man soll seine Therapeuten ganz zu beginn fragen, ob sie gerne mit Borderline-Persönlichkeiten arbeiten, und diesbezüglich Erfahrung haben. Sie hat die Frage nicht direkt beantwortet, aber irgendwie war da etwas.

Zum allerersten Mal fühlte ich im Sessel in einer dieser Praxen nicht den nervösen Blick einer durch mein Verhalten verunsicherten, aus Angst vor drohenden Überschreitungen der professionellen Distanz meinerseits in sich zurückgezogenen Therapeutin auf mir – es war einfach ganz anders als es früher immer war. In meinen bisherigen Therapien war es über kurz oder lang so, dass ich der war, der die Fragen stellte, und die Therapeutin redete.

Aber diesmal… ich glaube ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, nicht untherapierbar zu sein. Es war, als würde sie sich wirklich auf mich einlassen, und sie stellte sofort die richtigen Fragen. Es kam mir nicht vor wie Zeitverschwendung, sondern als ob das wirklich einen Sinn hätte.

Und ich hab geweint. Nicht sehr, es waren nur ein paar Tränen, die ich nicht zurückhalten konnte, aber sie ist als Erste überhaupt zu Dingen vorgedrungen, die auch nur entfernt mit dem Problem zu tun haben, und ich hab Dinge erzählt bei denen ich wirklich etwas gefühlt habe. Sogar soviel, dass ich es zugelassen habe, dass mich eine Therapeutin weinen sieht. Und all das in der ersten Sitzung.

Ich will jetzt nicht übermäßig enthusiastisch klingen, aber ich habe so das Gefühl, diesmal könnte es tatsächlich anders laufen. Besser.

Es kann schließlich nur besser werden. Wenigstens darauf können wir immer hoffen.





All I ever wanted was to be good

12 06 2009

Ich denke ich bin mal wieder einen längeren Artikel schuldig. Das klingt, als würde ich das hier nicht freiwillig machen, es ist nur so, dass ich alles immer möglichst gut machen will und dann wird es leicht anstrengend…

Da ist dieser Satz in Prozac Nation von Elizabeth Wurtzel… „All I ever wanted was to be good.“ Es klingt wahnsinnig blöd, aber ich habe mal ernsthaft versucht, das erste Kapitel dieses Buches auswendig zu lernen, einfach damit mir nie wieder die Worte fehlen wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, oder wie es sich anfühlt… auseinander zu fallen. Ich fand, dieses Buch trifft es einfach perfekt, Wort für Wort. Ich hab die Idee aber verworfen, vor allem deshalb, weil ich nur die englische Ausgabe hatte und irgendjemanden mit diesem Monolog auch noch auf Englisch zu überrollen hätte die Sache einen Tick zu theatralisch gemacht. Sogar für mich.

Aber es stimmt, ich wollte immer ‚gut‘ sein… das ist wahrscheinlich der Grund warum ich nicht weiß, was ich sagen soll, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Und ich meine jetzt nicht das rhetorische „Alles OK?“… selbst wenn mich mein (neuer, wieder mal) Psychiater reinruft setze ich vorher ein Lächeln auf. Und deshalb bin ich selbst schuld, dass ich niemals adäquate Behandlung bekommen werde, denn alles was Ärzte oder Therapeuten tun, wenn man sagt, es gehe einem gut, oder es gehe einem OK, oder selbst wenn man vorsichtig bemerkt, man hätte einen schlechten Tag… was sie tun ist, sie freuen sich über einen weiteren glücklichen Patienten, schütteln einem die Hand und sagen man soll in 4 Wochen wieder kommen.

Und dabei ist dieser Typ zurzeit wahrscheinlich der einzige Mensch, bei dem ich mich nicht zurückhalten sollte. Ich sollte ihn überschütten. Ich sollte ihm unmissverständlich sagen, dass es nicht mehr Ok ist, dass ich dieses Leben so nicht mehr will, dass ich emotional kaputt bin, und mir wünsche wenigstens innerlich tot zu sein, damit ich einfach als Leblose Hülle, der es egal ist, dass die Welt die Hölle ist, mein Leben zu Ende leben kann, ohne weiterhin fühlen zu müssen. Ich sollte in Tränen ausbrechen und es ihm so lange erklären, bis er es versteht.
Denn bevor man nicht mit einem abgerissenen Strick um den Hals reinkommt kapieren sie’s nicht.

Vielleicht wirke ich mittlerweile auch zu zahm, weil Selbstmord keine Option mehr ist. Nicht solange einige meiner engsten Verwandten noch leben. Diese Erkenntnis hat sich mir eingebrannt, als ich in die Psychiatrie eingewiesen wurde und gesehen habe, was das schon mit ihnen gemacht hat. Es ist verdammt hart, wenn lange gehütete Kartenhäuser des Schweigens zum Einsturz gebracht werden. Zumindest jetzt empfinde ich so. Vielleicht lässt es nach, wenn die Erfahrung verblasst, aber bis dahin brauchen die Leute die gehofft haben, ich würde mir irgendwann vor laufender Web-Cam den Rest geben, erstmal nicht mehr mitlesen.

Es kommt mir einfach nicht über die Lippen, wie so vieles Andere. Ich bin eine Niete, was Kommunikation angeht, ich ersticke an den Worten, die ich sagen müsste, um meine Beziehungen zu retten, meine Bekannten/Freunde zu behalten, um überhaupt irgendjemanden so nahe heranzulassen, dass sich eine Beziehung, egal ob intim oder freundschaftlich, ‚echt‘ anfühlen könnte. Der wahre Grund, warum ich allein bin, bin ich.

Eine weitere Lektion in Sachen Selbstsabotage gefällig? Ok, ich werde demnächst wieder in Therapie sein. Das ging so plötzlich, weil ich herausgefunden habe, dass die Uni tatsächlich eine Beratungsstelle hat, die richtige Psychotherapie anbietet. Da gibt es eine offene Sprechstunde, die quasi als Vorgespräch zu einer längeren Therapie dient, sollte es als dienlich befunden werden. Das lustige ist, dass es mir an diesem Tag nicht besonders gut ging, ich mir eine Lorazepam eingeworfen habe, und dann in eine dieser galgenhumorigen Stimmungen geraten bin. Ich hab mich also relativ schick gemacht und gehofft, ich würde an eine TherapeutIN geraten (ist das chauvinistisch?). Dazu muss man sagen, dass es Tage gibt, an denen ich mich selbst für übermäßig gut aussehend halte, zumindest wenn ich mich aufraffen kann mir die Haare zu waschen.
Nach einer Ewigkeit im Wartezimmer, das mit Sesseln ausgestattet war, die bequem sein sollen, in denen man aber so tief einsinkt, dass man mit dem Kopf auf den Knien liegt (das muss die 70er Jahre Vorstellung von bequem gewesen sein), wurden meine Hoffnungen in unerwartetem Maß erfüllt – eine Therapeutin schüttelte mir die Hand. Aber was noch viel besser war, und womit ich nicht in meinen Therapie-(Alp)träumen gerechnet hätte – sie fragte mich gleich, ob ich wohl etwas dagegen hätte, wenn eine Psychologiestudentin mit anwesend wäre. Meine Antwort ist klar – NEIN. Ich wurde in den Therapie-Raum geführt und fand besagte Studentin als sehr hübsch und ausgesprochen Sympathisch vor. Um dem Impuls zu wiederstehen, mich rückwärts aus dem Fenster fallen zu lassen, setzte ich mich.
Auf jeden Fall kann man sich wohl vorstellen, wie dieses ‚Vorgespräch‘ abgelaufen ist. Ich – so kokett, witzig, charmant wie ich nur sein kann – Die Frage nach der Krankengeschichte – meine Antwort: in Behandlung wegen ‚Borderline‘ – Sitzung gelaufen.
Was ich noch mitbekomme, als ich rausrenne, um mich vor ein  Auto zu werfen: ich soll in drei Wochen zu meiner ersten regulären Sitzung kommen; die Studentin fragt, ob sie wieder dabei sein dürfe; ich sage Ja.

Die Frage, die bleibt: wie kann man nur so blöd sein?
Diese Therapie war schon zum scheitern verurteilt, als ich meine Wohnung verlassen habe. Und dann bediene ich im Gespräch jedes erdenkliche Klischee, das über Menschen wie mich existiert, sage auch noch meine Diagnose und alles woran ich dabei denke, ist wie ich mich möglichst interessant und sympathisch präsentiere, nur weil mir da eine Frau gegenüber sitz, von der ich insgeheim hoffe, dass sie mit mir ausgehen und sich in mich verlieben wird. Egal, wie eloquent ich es ausdrücke, so einfach laufen meine innersten Antriebsmechanismen ab.

Aber ich denke, interessant zu wirken war nicht schwer, denn die Wahrheit ist doch, die unbedarfte Öffentlichkeit liebt Borderline-Persönlichkeiten. Auf unerfahrene Therapeuten trifft das wahrscheinlich auch zu. Jeder Träumt davon, mal etwas extremes oder übertriebenes oder unangebrachtes zu tun – und wir tun es. Mit uns wird es nie langweilig, wir geben interessante Geschichten her, es ist ein Leben voller Schlagzeilen. Wir sind jung und klug und hübsch, müssen wir ja sein, sonst würden wir es nicht schaffen so schwierig zu sein und trotzdem, wenn uns danach ist, die Nähe zu bekommen, ohne die wir ja eingehen.

Alle wollen uns – solange sie nur nicht mit uns leben müssen. Von außen betrachtet mögen wir manchmal wie die Rockstars des Alltags wirken, aber eine oberflächliche Betrachtung zeigt nicht, was alles auf der Strecke bleibt. Man muss hinter die Klischees sehen, dann offenbart sich das Nachspiel, die Konsequenzen, wie wir verzweifelt versuchen eine Ausbildung oder einen Job zu behalten, und wie so viele dabei scheitern. Wenn man mit uns leben muss, sieht man, wo diese Krankheit hinführt – in Kliniken und Psychiatrien, in Studienabbrecherquoten und unterbezahlte, trostlose Tätigkeiten, in die Abhängigkeit von Sozialhilfe und Frührenten, zur Verschwendung jedweden eventuell einmal vorhandenen gewesenen Potentials, in die totale Vereinsamung und vielleicht in ein frühes Grab. Mit Anderen Worten: zum Scheitern von gesamten Existenzen. Daran ist nichts hübsch. Es ist eine Krankheit, die starke persönliche Einschränkungen mit sich bringt, und es sehr schwer oder fast unmöglich macht ein erfolgreiches, befriedigendes Leben zu führen.
Jeder wünscht sich, mal über die Stränge zu schlagen. Aber wenn man nicht damit aufhören kann, wird es lästig.

Die Wahrheit ist, ich weiß nicht, wie ich so weiterhin leben soll. Ich glaube, ein paar gute Monate gehabt zu haben, macht die Sache gerade so schrecklich. Es ist der Beweis für mich und alle Anderen, dass ich doch niemals frei sein werde. Mein Umfeld war dabei, sich daran zu gewöhnen, dass das Leben mit mir leichter geworden ist, und ich war es auch. Und jetzt zu sehen, dass das alles nur ein Aufschub war, wirkt wie ein grausamer Trick, es macht mich so abstoßend. Und die Wahrheit ist – ich fühle mich einsamer denn je. Ich kann mir selbst weniger in die Augen sehen denn je. Ich sehe nur noch einen elenden, selbstmitleidigen Versager. Und es ekelt mich.





Klopf, Klopf…

25 05 2009

Ich fühle mich, als würde ich mit einer Flasche Bombay Sapphire und einem Strauß Lilien vor der Tür stehen, mit den Füßen trippelnd, und hoffen, dass jemand aufmacht.

Ich bin ohne ein Wort verschwunden, das ist so typisch für mich; und jetzt stehe ich wieder hier, allein, und bete, dass man mir keine Vorhaltungen macht.

Im Ernst, mein letzter Eintrag liegt so lange zurück und ich weiß nicht genau, warum ich seitdem nichts mehr geschrieben habe. Es ist so viel passiert, und ich denke, ich war einfach zu beschäftigt damit das Leben zu leben, um darüber zu schreiben. Ich hatte eine lange gute Periode, wirklich. Ich habe mich in einer neuen Stadt eingelebt, mehr oder weniger fleißig studiert, es ins zweite Semester geschafft, Leute kennengelernt, nicht zu viel darüber nachgedacht und die Dinge so genommen, wie sie waren, anstatt darüber zu sinnieren, wie sie sein könnten.

Aber in den stillen Momenten habe ich oft darüber nachgedacht, wieder zu diesem Blog zurückzukehren. Ich hatte aber auch Angst davor, weil er so voll von meinem alten Leben ist, so ein genaues Bildnis eines früheren selbst. Ich habe sehr viel an mir gearbeitet im letzten halben Jahr, und versucht so viele Dinge hinter mir zu lassen und Wunden zu flicken, sowohl an mir als auch in meinem Umfeld. Und genau diese Dinge lauern hier in den Zeilen dieses Blogs.

Puh – ich bin froh, dass ich diese Rückmeldung jetzt endlich hingekriegt habe. Mir haben so lange die Worte dazu gefehlt. Hoffen wir, dass es nicht nur eine Laune war, denn diese eine Sache zu ändern wird wohl noch vieles an Arbeit erfordern – es ist immer ein Leben auf dem Sprung, mit mir.

Und jetzt gehe ich ins Bett. Denn das ist ein weiterer neuer Vorsatz, mehr auf mich zu achten.

Gute Nacht -





Stress

19 01 2009

Ich bin im Moment wirklich total im Stress. Das Semester neigt sich dem Ende zu und somit stehen auch massenhaft Prüfungen bevor. Es wird wohl niemanden überraschen, wenn ich sage, dass ich nicht mitgelernt habe, so wie ich es mir vorgenommen hatte. Das heißt ich bin grade dabei mehrere Monate Physik, Mathe und zwei andere Kurse aufzuholen. Glücklicherweise komme ich dabei ganz gut voran, was ich vor allem der Energie zuschreibe, die mir das neue Medikament bringt. Ich habe seit Anfang Dezember keinen Strich mehr gemacht, aber seit letzter Woche kann ich mich erstmals wieder wirklich konzentrieren. Auch sonst geht es mir in jeder Hinsicht schon viel besser. Ich möchte fast sagen, Tranylcypromin bringt nach zwei Wochen schon mehr als alle SSRIs innerhalb von Monaten. Ich will nicht übermäßig Enthusiastisch wirken, aber an diesem Zeug ist auf jeden Fall etwas dran. Auch die Diätrichtlinien, die ich einhalten muss, machen mir überhaupt keine Probleme. Die Unannehmlichkeiten, die MAOIs bereiten, werden absolut überschätzt. Ich finde es schrecklich, dass meine Psychiaterin mir dieses Medikament vorenthalten wollte.

Jetzt muss ich nur noch einen Therapieplatz finden. Ich hab mir von der Koordinationsstelle zwei Nummern geben lassen. Bei der einen wurde mir gesagt, sie wären auf längere Zeit ausgebucht (warum zur Hölle haben sie dann frei Plätze gemeldet??), die anderen haben sich gar nicht mehr gemeldet. Aber was solls, ich habe nicht das Gefühl, dass ich zur Zeit so dringend Hilfe brauche. Zumindest nicht heute Abend. Ich weiß natürlich nicht, wie es morgen aussieht, aber soweit vorauszuplanen ist auch viel verlangt.





Dieser Post ist überladen

27 11 2008

Wow, mir ist grade aufgefallen, dass ich erledigt wäre, wenn ich jetzt einen Herzinfarkt hätte. Niemand würde mich finden. Seit drei Tagen habe ich kein Wort mehr mit meinen Mitbewohnern gesprochen, abgesehen von „Hallo” und „Tschüss”, nur um zu sehen, was sie tun, ob es ihnen überhaut auffällt. Ist es nicht. Sie haben einfach zurückgeschwiegen. Was bedeute ich meinen Mitbewohnern? Zwei Worte? Denken sie grade, „endlich hat der Typ aufgehört so viel zu labern”? Was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Ich werde Wahnsinnig. Nein ehrlich, ich verliere hier den Verstand. Ich hab sie nicht mehr alle, die Tassen sind raus aus dem Schrank und zerbrochen.

AHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH! Was würde jetzt meine ehemalige Therapeutin sagen? „Sie sollten versuchen, ihre Wahrnehmung mit der Realität abzugleichen.”

Mal überlegen:

Kopf sagt: ………………………………………………… (Kopf sagt nichts, weil er mit einer Zwangsjacke auf einem Bett fixiert ist und gerade eine Haloperidol Infusion bekommt.)

Realität sagt: „Hmmm, lass und die Fakten überprüfen….du schläfst nicht mehr als vier Stunden pro Nacht, du bist total überspannt, deine Hände zittern, du kannst dich nicht konzentrieren, du würdest dich am liebsten selbst KO schlagen um mal wieder etwas Ruhe zu bekommen, etc.”

Verdammt, verdammt, verdammt… ich weiß wirklich nicht was los ist. Aber seit einer Woche kriege ich einfach nichts mehr hin. Ich habe Angst und ich kann nicht sagen wovor, am liebsten würde ich nur im Bett liegen und mich keinen Millimeter bewegen, die Augen auf einen Punkt an der Decke fixiert, den ganzen Tag. Ich würde so so gerne meine Psychiaterin sehen. Aber sie hat erst in elf Tagen Zeit für mich. Andererseits wenn ich sie sehe, dann möchte ich eigentlich nur dasitzen, und ihr in die Augen sehen, weil ich weiß, dass die Worte aus ihrem hübschen Mund nichts ändern werden.

———————————————————————————

Wenn jetzt überhaupt noch jemand da ist, dann habe ich eine Frage: Es lesen doch bestimmt ein,zwei betroffene diesen Blog (zumindest wünsche ich mir das):

Wie habt ihr es geschafft weiterzumachen, als euch die brutale Wahrheit klar, nicht nur bekannt sondern wirklich klar, geworden ist, dass es für den Rest eures Lebens so weitergehen wird? Dass Persönlichkeitsstörungen chronische Zustände sind?

(Ok, es heißt die Symptome der Borderline Persönlichkeitsstörung erfahren ab dem 40 Lebensjahr meist von selbst eine Besserung, aber soweit muss man erst mal kommen.)

Am Ende bin ich eigentlich nicht mehr, als eine Karikatur. So wie eine Karikatur eine Sammlung eigenartiger Merkmalen ist, so bin ich eine Sammlung eigenartiger Symptome…nicht mehr. (D.h. ich sehe mich wahrscheinlich so, wie Ärzte normalerweise ihre Mitmenschen). Vielleicht hat es mal eine Zeit gegeben, in der es noch korrekt gewesen wäre, mich selbst von meinen krankhaften Anteilen zu separieren. Aber mittlerweile sind wir ein und dasselbe. Ich habe so viele Sachen erlebt, von denen ich glaube, sie wären nie passiert, wenn ich der Mensch wäre, der ich sein will. Im Guten, wie im Schlechten.

Help.





No more longing

20 11 2008

Als ich vorgestern in der Uni saß, draußen auf einer Bank, in einer Hand die Kaffetasse und gleichzeitig die Zigarette zwischen den Fingern haltend und die andere Hand in der Tasche um meine Finger vor dem imminenten Gefrierbrand zu schützen, hervorgerufen von dem eisigen Wind, der mir den Rauch in die Augen blies und Poster von Studentenpartys von vor zwei Jahren über den Platz pustete -

Argh! Was für ein Satz…

Ich fang nochmal an:

Als ich vorgestern in der Uni bei eisigem Wind mit einem Kaffe zum Rauchen auf dem Platz saß, sah ich von weitem meinem neusten Schwarm nach, wie sie vorüberging. Da entstand die Frage in meinem Kopf: „Was ist eigentlich die Ursache all deinen Leids, deines Schmerzes, was ist es, das dieses Hamsterrad der Gefühle antreibt?”

Und da fiel es mir auf. Es ist nicht dieses Mädchen, noch ihre Vorgängerin, nicht meine Ex, die mich in dieser Hölle zurücklies, und auch nicht die Welt, die ach so Kalt und einsam ist. Nein.

Es ist die Sehnsucht. The longing.

Longing is a sea without a shore
Not of water, but much more insidious
When you go under, it infuses your lungs
Then it spits you out to carry its suffering
Into the world

Ich verzehre mich nach so vielen Dingen, nach Liebe, nach Tod und Wiedergeburt – wo hat es mich hingeführt? Mein Kopf liegt nicht auf dem Schoß der einen Frau, die mich hier rausholen wird. Nein, es hat mich in die geschlossenen Anstalt gebracht, an Orte, von denen ich mir wünsche ich hätte sie nie gesehen.

Und deshalb gibt es nur eine Sache, die ich ändern muss: Ich muss aufhören mit der Sehnsucht. Ich muss die Killers CD aus der Stereoanlage nehmen und aufhören, mich für Dinge umzubringen, die es vielleicht gar nicht gibt.

Und deshalb wird das ab jetzt mein Mantra:

No more longing. You have everything that you need.

Und es hat schon etwas bewirkt. Ich sitze jetzt nämlich gerade zuhause und bin nicht mit Leuten, die ich nicht wirklich mag einen Trinken gegangen, obwohl ich morgen gar keine Uni hätte, um mich dann morgen wieder selbst zu hassen.

Also rauchen wir eine Zigarette auf die Selbstzufriedenheit!

Wünscht mir Glück.





The father of all bombs

19 11 2008

Angenommen, man steht auf eine Frau. Zuerst denkt man sich sowas wie, wow, die ist wirklich hübsch. Man sieht sie nur kurz jeden Tag, vielleicht in der Uni. Dann redet man mit ihr, steht ein paar mal beim Rauchen nebeneinander und unterhält sich einfach. Bald ist es soweit, dass man glaubt, sie hätte eine spezielle Art einen anzulächeln. Dann sieht man ihr in die Augen und sucht darin nach irgendeinem Hinweis, einem winzigen Funkeln, das sagt „versuch doch mal noch einen Schritt näher zu kommen, wer weiß was passiert?” Kurz darauf wird man im Ton immer koketter, lässt einfach so die ein oder andere Bemerkung fallen, flirtet auf die subtilste mögliche Art, um sich nicht zu weit vorzuwagen. Langsam aber sicher, besteht wohl wirklich kein Zweifel mehr daran, dass sie mitspielt, und dass sie ganz bestimmt keinen Freund hat. Wenig später beginnt man, sich vorzustellen wie es wäre, mit ihr auszugehen, sie vielleicht um ein Date zu bitten. Man denkt daran, wie großartig es werden könnte.

Genau dann, genau in diesem Moment als man noch dieser Vorstellung nachhängt, hört man sie zufällig im Gespräch mit jemand anderem sagen: „Ich hab meinem Freund versprochen…..”

Der Rest wurde von der Implosion meiner Träume übertönt. Eine thermobare Vakuumbombe ist nichts dagegen.

Ich war eine Weile weg, mir gings eine Weile nicht so gut… aber ich hab neue Medikamente! Wie es aussieht habe ich meine Psychiaterin lange genug bequatscht, dass ich wegen der Tagesmüdigkeit, die meine Alten hervorgerufen haben zuweilen kurze Blackouts in Vorlesungen habe, und so darf ich meine Gebete zukünftig an meinen neuen Erlöser, Venlafaxin, auch genannt Trevilor, richten.

Trevilor wird nicht mehr als „First Line Treatment” angesehen, da es bei manchen Leuten ein derart starkes Entzugssyndrom hervorruft, dass sie nie wieder damit aufhören können. Aber worum sollte ich es auch absetzen wollen, ich meine, Persönlichkeitsstörungen sind schließlich chronische Zustände.

Was meine Wohnsituation angeht, ich sitze immer noch hier in dieser WG fest. Glücklicherweise konnte ich meinen Vermieter überzeugen, den Vertrag so zu ändern, dass ich ausziehen darf, wenn ich einen Nachmieter finde. Zu wissen, dass ich ausziehen kann, wenn ich will, bedeutet mir schon sehr viel. Leider habe ich zur Zeit auch immer noch nichts besseres im Auge.

Eigentlich wollte ich mehr schreiben. Ich habe auch vor, wieder mehr zu schreiben, aber bis dahin ist es wenigstens mal ein Lebenszeichen.

Gute Nacht.





Failed at failing

8 10 2008

Oft fragen mich weißbekittelte Intelligenzbestien in den verschiedenen Arzt- und Therapeutenpraxen, die ich frequentiere, wie es mir denn ginge. Dabei wundere ich mich immer, ob die Frage jetzt rhetorisch gemeint ist, so wie wenn einen Finanzberater oder Freunde fragen wie es einem geht und als Antwort ein einfaches “Gut” erwarten.
Um meinem Gegenüber nicht das Gefühl zu geben, ich sei katatonisch oder debil, weil ich nicht antworte, und mal wieder reif für einen Aufenthalt in der Anstalt, sage ich dann meistens “Gut”. Wenn mir danach ist, lege ich manchmal noch etwas mehr Nachdruck hinein, indem ich meiner Psychiaterin um den Hals falle und ihr sage, wie schön es ist sie zu sehen. Wenn dann draußen noch nicht die Männer mit den Zwangsjacken vorfahren, dann ist es wohl ein guter Tag.

Morgen sehe ich meine Psychiaterin, und mal wieder habe ich mir vorgenommen, nicht “Gut” zu sagen. Denn leider sind die letzten paar Tage ein kleines bisschen schief gegangen. Das Beste war eigentlich, dass ich es geschafft habe, einen meiner Mitbewohner nach nur wenigen Wochen dazu zu bringen, etwa folgendes zu sagen: “Ich bin wahnsinnig sauer auf dich! Ich verstehe nicht, wie man dermaßen selbstverliebt und weinerlich sein kann?! Die Leute um dich herum haben ihre eigenen Probleme und können sich nicht ständig um dich kümmern!!”
Verdammt. Dabei wollte ich doch dafür sorgen, dass das zusammenleben in meinem neuen Zuhause harmonischer wird, als in meinem alten. Andererseits glaube ich, dass diese WG sowieso nicht das richtige für mich ist. Meine Mitbewohner sind so zurückgezogen und einsilbig, da hätte ich gleich in eine Ein-Zimmer-Wohnung ziehen können. Ich hab mich schon lange nicht mehr so einsam gefühlt. Jetzt will unser Vermieter mich auch noch zwingen, einer Befristung meines Mietvertrags auf ein Jahr verbindlich zuzustimmen. In einem Jahr könnte ich endgültig den Verstand verlieren. Andernfalls wird er mich jedoch rauswerfen. Und dann? Ich will auf keinen Fall wieder zuhause einziehen. Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt machen soll. Ich will unbedingt aus dieser Wohnung raus, aber wohin? Ich war schon nahe am Nervenzusammenbruch, als ich diese Wohnung gefunden habe. Nur jetzt, wo das Semester grade begonnen hat, ist die Angebotslage noch schlechter. Ich weiß wirklich nicht, was ich jetzt machen soll.








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.