Tut mir Leid, dass ich so lange weg war. Aber unfassbarerweise ist einer meiner am längsten gehegten Träume gerade dabei wahr zu werden.
Ich hab ein Zimmer in einer WG gekriegt. Ich ziehe aus. Ich habs immer noch drauf Leute dazu zu bringen, mich zu mögen – endlich mal wieder ein Erfolg, das hab ich echt gebraucht.
Fast alle meine Sachen sind schon weg, nur der Computer ist noch hier, weil ich wieder Arbeite habe. Ich hab mich entschieden meine alten Möbel hier zu lassen. Erstens weil sie mir nicht mehr gefallen, und zweitens weil es schön ist neu anzufangen. Praktischerweise hat mir mein Vormieter ein Sofa und ein Regal hinterlassen. Das heißt, der einzige wirklich sperrige Gegenstand, auf den ich nicht verzichten will, ist das riesige, 2m lange schwarz-weiß Bild von New York, das von schräg oben den Broadway und das Flatiron Building zeigt. Aber zum Glück ist auch das von IKEA, also zerlegbar.
Wahnsinn, ich ziehe also in die Stadt. Raus aus diesem Loch am Ende der Welt – worüber soll ich mich jetzt nur noch beklagen? Da sehe ich schwarz für die Zukunft dieses Blogs.
Ich denke es ist nicht besonders sinnvoll über meinen derzeitigen Geisteszustand zu reden (falls es das je war). Deshalb hab ich entschieden einfach ein Update über meine derzeitige Lage zu geben.
Nun, ich hab Arbeit! Nachdem ich mich seit meinem Abi für allerhand Posten beworben habe – vom Kassierer bei Norma über Aushilfe bei Breuninger bis hin zum Roomboy in einem Hotel (kein Bordell; auch wenn es dafür im richtigen Viertel gelegen war) – und wurde abgelehnt. Keine Ahnung warum; es hieß immer man könnte derzeit keine geeignete Verwendung für mich finden. Naja, was solls.
Meine Mutter hat es nämlich geschafft, die Leute von dem Verlag für den sie arbeitet dazu zu kriegen mir die Übersetzung eines kompletten Buches anzuvertrauen. Ok, es ist nicht so wahnsinnig dick und es ist für Kinder im Alter von 6-10 Jahren gedacht (deswegen schaffe ich es vielleicht auch das Niveau zu halten), aber immerhin übersetzte ich ein Buch vom Englischen ins Deutsche – und das für richtiges Geld.
Ihr denkt euch jetzt vielleicht “Watt? Du kannst doch nichtmal die Kommaregeln einhalten.” Aber keine Angst, meine Mutter korrigiert es vor der Abgabe.
Eine andere Angelegenheit ist mein Auszug von zuhause, der hoffentlich bald stattfindet. Ich hab mich für das Wintersemester an der Uni eingeschrieben und bin nun auf der Suche nach einem WG-Zimmer in der Stadt, in der die Uni ist. Eigentlich ist die gar nicht so weit weg, ich könnte also auch pendeln. Aber das Kaff in dem ich jetzt wohne liegt leider ganz in der Nähe vom Ende der Welt und ich will hier eigentlich schon weg, seit mir gesagt wurde, dass wir bald hierherziehen. Ich bin einfach ein Stadtmensch. Ich ertrage es nicht, aus dem Fenster zu blicken und nur Menschenleere Straßen zu sehen deren einzige Daseinsberechtigung darin besteht, dass ab und zu mal ein Hund an die Laterne pinkelt.
Finanziell sieht es zwar nicht grade überragend aus, aber morgen hab ich einen Besichtigungstermin… ich will einfach noch ein bisschen Träumen, dass es klappen könnte. Andererseits, wenn ich mit dem Buch fertig bin, kann ich mir von der Bezahlung vielleicht schon die erste Monatsmiete leisten. Also sehen wir einfach mal wie es weitergeht.
Was zur Zeit alles etwas schwierig macht ist die wahnsinnige Tagesmüdigkeit, die ich erlebe. Vor kurzem wurde etwas an der Dosierung meiner Medis geändert und ich schiebe es darauf. Schon seltsam… meine innere Uhr lässt mich abends schlecht einschlafen, weckt mich jeden Morgen um halb sechs, aber Tagsüber hört sie nicht auf, mir zu sagen, dass ich mich hinlegen soll. Ich glaube sie braucht ne neue Batterie.
For the last few days I’ve been dead tired which bothers me a lot because I’m normally a very outgoing person. Last week I was quite hyper and wound up… but now I’m lying in bed watching the days go by. What’s weird is that most of the time, the mind won’t let me fall asleep although the body craves for it. And it’s the same way at night. It doesn’t really matter when I go to bed, my eyes just won’t stay shut before midnight or later – and on the next morning they will fling open again at five o’clock.
Back in the days when I still had something like a creative drive, I wrote this song for a band that never came into existence… I guess it would have needed a lot of refinement or our band wouldn’t have lasted long. Anyway, here is one of the stanzas that I think fits what’s been going on lately.
When I lay down my head starts taking of
Spinnin’ round till I want to take it off
Vesicles they leak inside my brain
Pull the pin, if you can’t pin in my brain
Es handelte sich um nicht fiel mehr als eine nutzlose Aneinanderreihung von Phrasen; total kontraproduktiv. Denn die Aussage hätte sich auch in dem Satz zusammenfassen lassen „Es geht mir scheiße.” Oder besser gesagt ging. Also bis später, wenn ich wieder etwas einigermaßen sinnvolles zu sagen habe.
Erstmal möchte ich mich entschuldigen, dass ich so lange auf Tauchstation gewesen bin. Ich könnte das jetzt meiner Krankheit in die Schuhe schieben und sagen meine Labilität oder mein instabiler Lebenswandel hätten mich vom Schreiben abgehalten – vielleicht etwas, aber vor allem war es Faulheit. Sorry folks.
Das Komische daran ist, dass ich ansonsten überhaupt nicht faul gewesen bin. Vielmehr bin ich in den letzten Wochen auf einer Welle geradezu frenetischer Energie geritten. Begonnen hat es etwa kurz vor meinem Abi. Zur der Zeit kam es mir sehr gelegen, dass ich jeden Tag ohne einen Wecker zu stellen gegen Fünf Uhr aufgewacht bin und dabei so fit war, dass ich den größten Teil meines täglichen Lernpensums vor dem Erwachen der familiären Hektik erledigen konnte. Auch eine Nacht ganz ohne Schlaf bremste mich kaum, nicht einmal zwei hintereinander. Auch wenn das eher durchtanzte als durchlernte Nächte waren. Tagsüber war ich beim Lernen dennoch so konzentriert wie der Kaffe den man normalerweise bräuchte um bei einem Durchschnitt von fünf Stunden Schlaf pro Nacht überhaupt noch etwas auf die Reihe zu kriegen. Ich hatte wirklich ein paar sehr produktive Wochen.
Mittlerweile ist von all der Energie fast nur noch ein Echo übrig, nur noch leere Konzentration ohne Kreativität. Der Stift fliegt nicht mehr über das Papier, stattdessen starre ich Ewigkeiten seine bebende Spitze an und lausche dem Gedankenkreisen in meinem Kopf. Ich denke diese „Phase”, was immer es auch war, geht zu Ende.
Die Frage die ins Auge springt ist doch „Sach ma, biste jetzt Borderline oder Bipolar?”
Zuerst will ich sagen, dass dieses Phänomen bei mir zum ersten mal aufgetreten ist, und dass Borderline als meine Diagnose weiterhin feststeht. Ein Verdacht auf bipolare Störung hat nie bestanden. Ich habe mich lange mit der bipolaren Störung beschäftigt, ohne zu vermuten, dass ich darunter leide. Ich weiß, dass Borderline und bipolare Störung selten oder nie zusammen auftreten. Wenn ich mir andererseits die DSM Diagnosekriterien für eine hypomanische Episode durchlese würde ich sagen ich habe die drei erforderlichen in den letzten Wochen erfüllt.
Als Auslöser käme meine Behandlung mit SSRIs in Frage, von denen bekannt ist, dass sie manische Episoden auslösen können. Allerdings nehme ich das Medikament schon seit langem, warum also sollte es jetzt passieren und nicht schon zu Beginn der Einnahme? Vor einiger Zeit hatte ich eine Dosissteigerung, vielleicht ist das eine Erklärung.
Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur eine gute Phase. Möglicherweise bin ich aus einer Verkettung glücklicher Umstande heraus insgesamt gesehen einfach etwas motivierter und etwas stabiler. Ich will nicht sagen dass es in dieser Zeit nicht auch schlechte Tage gegeben hat.
Wer weiß, vielleicht durfte ich in den letzten Wochen erleben wie es sich anfühlt „normal” zu sein, auch wenn das sicher für jeden etwas anderes ist; oder einfach wie es sich anfühlt ein bisschen mehr so zu sein wie ich gern wäre. Aber so bin ich jetzt jedenfalls nicht mehr, denn ich fange ja schon wieder an krankhafte Ursachen hinter all dem zu vermuten. Ich bin es einfach so sehr gewohnt „krank” zu sein, dass alles Positive verdächtig ist.
hab lange nicht gepostet, schön dass ihr oder bessergesagt du noch herkommst (du weist wer gemeint ist, die einzige Leserin dieses Blogs).
Nun, ich habs geschafft meine erste schriftliche Prüfung hinter mich zu bringen. War lange nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Die Fragen waren nicht übermäßig kompliziert, die Vorbereitung auch nicht so stressig. Das einzige, was die Sache von einer normalen Schulaufgabe abgehoben hat, waren die pingeligen Bestimmungen: uns wurde eingeschärft, Turnschuhe mitzubringen – da man die Turnhalle, in der die Prüfung stattfand ja nur in Hallenschuhen betreten darf… und das von einem Schuldirektor, der schreit „you’re fucking brilliant,” wenn man im Unterricht etwas richtiges sagt.
Soweit es den Teil meines Lebens angeht, der am Tageslicht stattfindet läuft also alles ganz gut. Etwas anderes sind die Nächte. Es hat schon immer eine eigenartige Beziehung zwischen mir und dem Schlaf bestanden. Ich glaube die erste erwähnenswerte Phase von Insomnie hatte ich zu beginn des Gymnasiums. Und jetzt hab ich wieder eine. Keine sehr schlimme, meine Hände zittern kaum und ich kann auch noch einigermaßen scharf sehen. Aber seit etwa einer Woche habe ich keine Nacht länger als vier oder fünf Stunden geschlafen. Trotzdem ist da kaum ein Gefühl von Müdigkeit. Ich fühle mich abends nicht müde, wenn ich trotzdem versuche zu schlafen, dann liege ich bis ein Uhr wach. Es ist nicht, dass ich besonders besorgt wäre, oder über irgendetwas nachgrüble… meine Augen bleiben einfach nicht zu. Ich liege wach und langweile mich nur. Und wenn ich einschlafe wache ich am nächsten Morgen um fünf auf. Einfach so. Ich hab ja keinen Unterricht mehr, das heißt ich könnte ausschlafen. Aber jetzt habe ich jeden Morgen massig Zeit, meiner kleinen Schwester Frühstück zu machen, wenn sie für die Schule aufsteht.
Andererseits hab ich so auch mehr Zeit um Bücher zu lesen, oder das Frühstücksfernsehen zu verfolgen (man denkt Frühstücksfernsehen ist totaler Schund, aber ich habe daraus in den letzten Tagen etwas über Einstein, Planck und Foucault gelernt… mist, warum bin ich eigentlich je in die Schule gegangen; jeden Morgen fernzusehen hätte gereicht).
Solange die Schlaflosigkeit auf diesem Niveau bleibt und sich nicht auf das Maß verschlimmert, das ich früher schon erlebt habe, als es vorkam, dass ich mich wie in Watte eingewickelt fühlte und ab und zu plötzlich meine Hände eingeschlafen sind… solange das nicht wieder passiert ist die Sache vielleicht gar nicht so schlimm.
Einen Großteil der vielen Stunden, die ich in letzter Zeit wach verbracht habe, verbrachte ich mit einem Song, entweder ich hörte ihn auf meinem mp3 Player oder er wiederholte sich in meinem Kopf; es ist Fade Into You, von Mazzy Star. Ich habe diese wunderbare Band durch „Unschuldig”, diese neue Fernsehserie entdeckt. Ich hab mir die CD gekauft und die ganze Musik ist irgendwie so traumartig und federleicht; die Stimme der Sängerin nimmt einen an der Hand und man schwebt in den Nachthimmel, man ist schwerelos und verliert sich einfach in der unglaublichen Weite der Musik… so etwa fühlt es sich an. Nein, ich bin nicht auf LSD.
Im Internet steht, dass diese Art von Musik einer eigenen Stilrichtung namens „Dream Pop” angehört. Ich brauche unbedingt mehr davon.
Das ist der Text von Fade Into You:
I want to hold a hand inside you
I want to take a breath that’s true
I look to you and I see nothing
I look to you to see the truth
You live your life
You go in shadows
You’ll come apart and you’ll go blind
Some kind of light into your darkness
Colours your eyes with what’s not there.
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
A stranger’s light comes on slowly
A stranger’s heart without a home
You put your hands into your head
And then smiles cover your heart
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Fade into you
Strange you never knew
Fade into you
I think it’s strange you never knew
Gerade Jetzt, wo ich eigentlich mindestens noch eine Woche gebraucht hätte, um mich von den Ferien zu erholen. Entweder ich bin einfach so ausgelaugt vom Nachtleben, oder es liegt daran, dass ich zur Zeit so wahnsinnig schlecht Schlafe, aber die letzten zwei Tage hat es mein Geist wirklich nicht mit mir aus dem Bett geschafft. Denken ist zur Zeit wirklich anstrengend. Aber ich habe mir vorgenommen ab jetzt wieder etwas kürzer zu treten. Immerhin habe ich bald meine Abiturprüfungen; das ist es doch worauf ich die letzten dreizehn Jahre meines Lebens hingearbeitet habe, oder nicht? Alle anderen behaupten sie wären schon so im Lern-Stress. Ich muss mich jetzt wirklich anstrengen.
Irgendetwas läuft hier total falsch. Am Anfang war ich ziemlich enthusiastisch was die Behandlung meiner Störungen anging. Ich dachte jetzt kann es nur noch besser werden.Aber jetzt, einige Monate später, fühle ich mich eigentlich noch kein bisschen besser oder stabiler oder mehr bereit für die Herausforderungen des Lebens. Vielleicht sogar weniger.
Ok, ich nehme jetzt Medikamente; einen SSRI. Anfangs war ich mir sicher es würde mir dadurch besser gehen, kein Zweifel. Zugegeben, als ich damit anfing hatte ich wirklich eine Depression die ewig angehalten hatte. Die habe ich jetzt nicht mehr also sollte ich mich wohl nicht beschweren. Dafür bin ich jetzt tagsüber müde. Und die Stimmungsschwankungen sind so massiv wie eh und je. Ich meine, ich bin vielleicht nicht mehr depressiv, aber trotzdem werde ich im Rahmen meiner instabilen Stimmungen kurzfristig immer noch genauso deprimiert wie früher.
Heute habe ich meine Psychiaterin darum gebeten mir andere Medis zu geben, ich hatte auch schon ziemlich genaue Vorstellungen was ich haben wollte, aber sie sagte nur ich solle die Dosis von dem erhöhen was ich schon habe und wir könnten erst wechseln wenn ich bei der Maximaldosis sei. Toll. Das heißt wieder eine Ewigkeit auf irgendeine Wirkung warten die dann nicht eintreten wird.
Zudem mache ich jetzt Verhaltenstherapie. Das ist totaler Schwachsinn. Anfangs mochte ich meine Therapeutin wirklich, vielleicht zu sehr. Aber mittlerweile nervt sie mich nur noch. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie Ahnung von meinen Problemen hat. Alles was sie sagt, alles was sie mir rät hätte sich jeder Vollidiot auch selbst denken können. Hinzu kommt noch, dass sie sich wiederholt. Entweder ich bin wirklich ein hoffnungsloser Fall und sie ist schon mit ihrem Latein am Ende oder sie ist einfach nicht die Richtige. Wahrscheinlich beides.
Und das Schlimme, dass was mich so wahnsinnig fertig macht, ist dass all das wieder auf eine Sache hinausläuft:
„HABEN SIE GEDULD”
Ich kann diesen Satz nicht mehr hören! Alles soll irgendwann mal besser werden. Irgendwann? Irgendwann sind wir alle tot. Aber was, was verdammt noch mal macht man bis dahin, bis es dann endlich besser wird? Was macht man wenn man die schlechten Gefühle jetzt einfach nicht aushält? Denn jetzt geht es mir schlecht; jetzt, jetzt, nicht irgendwann.
Ladies and Gentlemen,
Heute haben sie Gelegenheit einen Lügner bei seinem größten Kunststück zu beobachten: Er wird die Wahrheit sagen! Die harte, ungeschminkte Wahrheit über sich selbst, sein Leben, seine Borderline Persönlichkeitsstörung, einfach alles.
Sehen sie, wie er sich im Zuge seines chaotischen Lebenswandels von einem Aus ins nächste manövriert und immer wieder bei Freunden, Lehrern, Liebespartnern und vor allem bei seinen Ärzten und Therapeuten aneckt.
Genießen sie die Show!